Wien - In den USA haben die Walker die Jogger in den Parks zahlenmäßig längst überholt. Auch in Österreich setzt sich der gesunde Trendsport immer mehr durch. In einem eigenen Walking-Institut in Stubenberg am See in der Steiermark können Interessierte nun in kurzer Zeit die richtige Technik lernen, so DDr. Christine Mikinovic, Vorstand der Einrichtung, heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Trotz aller Kampagnen sind die Österreicher noch immer bewegungsfaul. Legen Volksschulkinder durchschnittlich noch etwa sieben Kilometer pro Tag zu Fuß zurück, so sind es bei ihren Eltern nur mehr 700 Meter. Regelmäßig Sport betreibt überhaupt nur jeder Fünfte. "Dabei fordert unser Genom, dass wir uns bewegen", so Dr. Norbert Bachl. Vorstand des Institutes für Sportwissenschaft. Die Folgen dieses Lebensstils sind bekannt: Zivilisationskrankheiten, Übergewicht und immer mehr Haltungsschäden.

"Ideale Sportart"

Walken gilt unter den Experten als ideale Sportart. Im Gegensatz zum Joggen, dass besonders bei Übergewichtigen schnell zu Gelenksproblemen und Überanstrengung führen kann, ist das dynamische Gehen beinahe völlig risikolos. Noch dazu ist kaum Equipment nötig, und es kann fast überall durchgeführt werden. Nicht zuletzt macht das dynamische Gehen auch Spaß: "Der Waldläufer, der einsam seinem Rekord nachhetzt, wird von dem kommunikativen Walker abgelöst", sagte Mikinovic.

Schon auf niedrigem Level bewegt man sich beim Walken deutlich schneller als bei einem Spaziergang. Das Tempo lässt sich dabei beliebig steuern. Für den Körper ist das eine reine Wohltat: Fast alle 660 Muskeln und 206 Knochen kommen zum Einsatz, das Herz-Kreislauf-System wird trainiert, das Immunsystem gestärkt - und der Speck bleibt auch auf der Strecke. Im Gegensatz zum Laufen heben die Füße bei den einzelnen Schritten nie völlig vom Boden ab, wodurch das Verletzungsrisiko wesentlich verringert wird.

Ernährung

Ohne richtige Ernährung ist aber auch das beste Bewegungsprogramm nur halb so viel wert. "Die Zunahme der durch Übergewicht hervorgerufenen Erkrankungen gestaltete sich in den vergangenen zehn Jahren so dramatisch, dass für die Zukunft Besorgnis erregende Auswirkungen auf das Gesundheitssystem zu befürchten sind", sagte der Ernährungsmediziner Dr. Kurt Widhalm. Das Gegenrezept: Eine Neuausrichtung des Essens auf eine hohe Zufuhr an komplexen Kohlenhydraten (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst) und relativ viel Eiweiß. Fett sollte hingegen reduziert werden.

Experten empfehlen, im Rahmen eines gesundheitsorientieren Trainingsprogrammes zumindest jeden zweiten Tag rund 45 bis 60 Minuten bei richtiger Herzfrequenz (Faustregel: Man soll sich noch unterhalten können) zu walken. Obwohl die Technik des Gehens sehr einfach ist, sollte es dennoch bei einem Training erlernt werden. (APA)