Washington - Einem angeblichen amerikanischen Spion droht in einem Prozess, bei dem die Auswahl der Geschworenen vermutlich am Freitag abgeschlossen werden soll, die Todesstrafe. Dem 40-jährigen ehemaligen Spezialist der US-Luftwaffe Brian Regan wird von der Anklage vorgeworfen, er habe versucht dem Irak, Libyen und China geheime und militärisch wichtige Informationen zukommen zu lassen. Der Angeklagte hat sich nicht schuldig bekannt. Der Prozess vor einem Gericht in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia soll vermutlich am 27.Jänner beginnen.

Bei seiner Festnahme im August 2001 habe Regan kodierte Informationen über Satellitenerkennung in einem Notizbuch bei sich gehabt, berichteten US-Medien. In seinem rechten Schuh seien Adressen der irakischen, chinesischen und libyschen Botschaften in Österreich und der Schweiz gefunden worden. Der Mann wollte vom Flughafen Dulles bei Washington DC nach Zürich fliegen. Die Botschaftsadressen hatte Regan laut US-Medienberichten offenbar aus dem Internet kopiert.

Weiters seien in seinem Computer Briefe gefunden worden, in denen er die Beschaffung geheimer Informationen für 13 Mill. Schweizer Franken anbot. Die Briefe waren angeblich an den irakischen Staatschef Saddam Hussein und an den libyschen Staatschef Muammar Gaddafi gerichtet. Als Motiv der mutmaßlichen Spionage wird Geldnot vermutet: Der vierfache Vater soll mit mindestens 50.000 Dollar verschuldet gewesen sein.

Irgendwelche Beweise, dass Regan bereits geheime Informationen übergeben hatte wurden bisher nicht bekannt. Die US-Regierung wolle mit dem Fall offenbar ein Exempel statuieren und im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe beantragen, obwohl es sich nur um einen Spionageversuch handle und anscheinend niemand geschädigt worden sei, heißt es in US-Medien. Ungewöhnlich sei auch dass der Fall öffentlich verhandelt werde. Andere Spionageverfahren würden entweder außerhalb der Gerichte durch eine Vereinbarung abgehandelt oder in einem Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Verteidigung könnte möglicherweise die schlechte psychische Gesundheit des Angeklagten anführen, um ihn vor der Todesstrafe zu retten, wird in US-Medien vermutet. Auch schwerer Alkoholismus in der Familie könnte als Milderungsgrund für Regan geltend gemacht werden. Die Todesstrafe für Spionage war in den USA zuletzt vor rund einem halben Jahrhundert verhängt worden. Im Juni 1953 waren Julius und Ethel Rosenberg hingerichtet worden, nachdem sie wegen der angeblichen Preisgabe von Atombomben-Information an die ehemalige Sowjetunion verurteilt worden waren. (APA)