Wien - Ein Martyrium spielte sich im Vorjahr in einem Gemeindebau in Wien-Hietzing ab. Eine 29-jährige Mutter verpasste ihrer eigenen Tochter regelmäßig Faustschläge und Tritte in den Bauch, so dass die Dreijährige gegen den Heizkörper oder die Mauer flog.

Ihr 32 Jahre alter Lebensgefährte bestrafte die kleine Sarah, wenn sie ihn beim Playstation-Spielen störte. So musste sich das Mädchen etwa stundenlang mit ausgestreckten Armen in den Winkel stellen. "Sie beide sind absolut entmenschlicht", stellte Richter Friedrich Zeilinger im Wiener Straflandesgericht fest.

Lebensumstände

"Eigentlich bin ich keine brutale Person", sagte die Mutter, die auch einen ein Jahre alten Sohn hat. Als sie ihren neuen Freund kennen lernte und bei sich einziehen ließ, sei ihr aber "alles zu viel geworden". Sarah sei halt "ein schwieriges Kind", ein "Sturschädel". Zudem sei sie eifersüchtig auf den jüngeren Bruder gewesen: "Da habe ich auf sie hingehaut." Das beschäftigungslose Paar lebte von der Familienbeihilfe und den Alimenten des leiblichen Vater.

Verwandte erkannte die Verletzungen

Eine Verwandte erkante die Verletzungsspuren. Als sie das Kind näher ansehen wollte, weigerte sich das Kind die Wunden zu zeigen. "Es hat sich dafür geschämt, was ihm angetan worden ist", meinte der Richter.

Das bisher unbescholtene Paar wurde wegen Kindesmisshandlung zu jeweils 15 Monaten Haft verurteilt. Fünf Monate wurden unbedingt ausgesprochen, den Rest sah ihnen der Richter unter Setzung einer Probezeit auf Bewährung nach.Mittlerweile befindet sich Sarah im Kriseninterventionszentrum. Der Mutter wurde auch der jüngere Sohn abgenommen, der nun bei Pflegeeltern aufwächst.(APA)