Wien - Die Schulverwaltung kann entpolitisiert und entbürokratisiert werden: Diese Meinung zieht sich quer durch alle Parteien. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte gemeinsam mit Experten im STANDARD die Abschaffung der neun Landesschulräte und deren Umwandlung in "schlanke" Ämter vorgeschlagen, womit Landesschulratspräsidenten (und deren Vizes) sowie politische Kollegien überflüssig wären.

Das stieß am Freitag auf geradezu überwältigende Resonanz. "Prinzipiell ohne Scheu" will beispielsweise Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SP) darüber diskutieren. Sie macht einen weitergehenden Vorschlag: Bundes- und Landeslehrer sollten einen einheitlichen Dienstgeber erhalten.

Politik raus, VP rein?

SP-Klubchef Josef Cap meint im STANDARD-Gespräch, seine Partei sei über eine derartige Verwaltungsreform prinzipiell gesprächsbereit. Jedoch sei seine bisherige Erfahrung gewesen: "Wenn die ÖVP sagt: Politik raus, meint sie: ÖVP rein."

Der "Staatsreformverhandler" für die SPÖ Heinz Fischer findet eine gründliche Reform auf Bezirks- und Landesebene "überfällig": "Wir wollen eine wirkliche Entpolitisierung des Schulbereiches, und das bedeutet die Schaffung neuer Strukturen, wo Eltern, Schüler und Lehrer vertreten sind."

SP-Ministerkandidat Josef Broukal signalisiert ebenfalls grünes Licht, gibt aber zu bedenken, dass mit einer Umwandlung der Landesschulräte wohl nicht allzu viel einzusparen wäre. Aus seiner Sicht braucht das Schulwesen Investitionen: etwa in eine "qualifizierte Nachmittagsbetreuung".

Sogar Jörg Haider (als Landeshauptmann de jure in Kärnten für das Schulwesen zuständig), der zuletzt nur durch sein Schweigen auffiel, meldete sich zurück: Gehrers Vorstoß sei eine "Uraltforderung" von ihm. Haider will eine Neuorganisation aller Schulaufsichtsbehörden. Weniger Inspektoren, mehr regionale Bildungsmanager, lautet sein Credo.

"Viel Sympathie" für die Abschaffung der Landesschulräte äußert auch der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz: Gegenwärtig würden dort in erster Linie parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen vorgenommen. Objektivierungskommissionen sollten Dreiervorschläge erarbeiten, die den Schulpartnern zur Wahl vorgelegt werden könnten.

Skeptisch ist hingegen Gewerkschafterin Monika Jantschitsch, die die Beamten in der Unterrichtsverwaltung vertritt. Die Landesschulräte abzuschaffen hieße, das "Pferd von hinten aufzäumen". Zuerst müsse man Verwaltungsabläufe per Gesetz vereinfachen, erst dann könne die Struktur geändert werden. Nicht glücklich ist sie auch über den Expertenvorschlag für mehr Schulautonomie: Dafür müssten erst deutlich bessere personelle und räumliche Infrastruktur an den Schulen geschaffen werden. Würden außerdem die Direktoren ihre Lehrer selbst aussuchen, so könnten politisch monocolore Schulen entstehen.

Die Landesschulräte sind Bundesbehörden. Die ÖVP stellt derzeit sechs Präsidenten, die SPÖ zwei (Wien, Burgenland) und die FPÖ einen (Kärnten). (mon, kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.1.2003)