Berlin/Kairo/Damaskus - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schöder hat eine Exillösung für den irakischen Staatschef Saddam Hussein als wünschenswert bezeichnet, jedoch Zweifel an der Durchführbarkeit erkennen lassen. Schröder sagte am Freitag in einem Interview des Fernsehsenders N24 in Berlin auf die Frage nach der Bewertung eines Exils des irakischen Präsidenten: "Natürlich wäre das wünschenswert." Es sei aber dahingestellt, ob dies realisiert werden könne. "Niemand wünscht, den Diktator im Irak im Amt zu lassen." Ein Regimewechsel stehe jedoch nicht im Vordergrund des Irak-Konflikts. Ziel sei vielmehr die Entwaffnung des Irak.

Ein Bericht von "Spiegel-Online", Saddam sei unter bestimmten Bedingungen zum Gang ins Exil bereit, hatte international für Aufsehen gesorgt. Unter Berufung auf zwei arabische Botschafter hatte "Spiegel-Online" berichtet, im Gegenzug für seinen Rücktritt fordere Saddam Hussein einen Abzug der US-Soldaten aus der Golfregion. Als Reaktion auf den Bericht gab der Ölpreis am Freitag zunächst nach und sank wieder unter die Zwei-Jahres-Höchststände, die er am Vortag erreicht hatte.

Irakische Führung dementiert Exil-Pläne

Die irakische Führung hat Berichte dementiert, wonach Präsident Saddam Hussein unter bestimmten Bedingungen ins Exil gehen will. Jedes Kind im Irak wisse, dass dies ausgeschlossen sei, sagte der Cousin des Präsidenten, Ali Hassan el Majid, am Freitag bei einem Besuch in Damaskus. El Majid, der Mitglied des Revolutionären Kommandorats ist, habe dem syrischen Präsidenten Bashar el Assad eine Botschaft Saddam Husseins überbracht, berichtete der arabische Fernsehsender Al Jazeera.

Der irakische Gesandte war an diesem Wochenende auch in Kairo erwartet worden. Der Termin wurde jedoch abgesagt. Ägyptens Außenminister Ahmed Maher erklärte dazu nur, der Zeitpunkt für den Besuch sei ungünstig gewesen. (APA/Reuters)