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foto: apa/schindler

Wien - Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bekommen zunehmend Konkurrenz im Güterverkehr. Sieben private Bahnen sind am heimischen Schienennetz bereits unterwegs, fünf inländische und zwei ausländische. Demnächst sollen drei weitere heimische Eisenbahnunternehmen dazu kommen, hieß es am Donnerstagabend aus den ÖBB vor Journalisten. Möglich macht dies die zunehmende Liberalisierung des europäischen Eisenbahnwesens. Am 15. März tritt eine neue Richtlinie der EU in Kraft. Die ÖBB haben die neuen Vorgaben bereits weitgehend realisiert, Strukturänderungen sind aber noch ausständig.

150 Millionen Zugskilometer

Derzeit macht der private Verkehr mit einer Million Zugskilometern pro Jahr erst ein halbes Prozent des gesamten heimischen Schienenverkehrs (150 Mio. Zugskilometer) aus. ÖBB-Netz-Chef Peter Klugar erwartet aber eine Steigerung in den nächsten Jahren. Neu dazu kommen sollen laut Bahnkreisen demnächst die Salzburg AG (Salzburger Verkehrsbetriebe), die Montafoner Bahn und ein neues privates Vorarlberger Eisenbahnunternehmen in Händen der deutschen Brignitzer Bahn. Alle drei haben nach Auskunft des Verkehrsministeriums bereits die notwendige Konzession.

Bereits seit 2001, so der Leiter des Trassenmanagements, Harald Hotz, haben die ÖBB ihr Schienennetz für Private geöffnet. Die ersten privaten Güterbahnen waren die Deutsche Bahn, die im Außerfern eine aufgelassene Personenverkehrsstrecke übernommen haben und die voestalpine, die ihre eigene Güterbahn betreiben. Daneben fahren neben den ÖBB heute bereits die Graz-Köflacher-Eisenbahn (GKE), die GKE-Tochter LTE, die Wiener Lokalbahnen (WLB), die Steiermarkbahn (SB) und am Brenner der deutsch-italienischen Eisenbahndienst "Lokomotion", der sich auf den kombinierten Verkehr zwischen München und Verona spezialisiert.

Kooperationen intensiviert

Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr könnte für den ÖBB-Absatz in nächster Zeit noch weitere Konkurrenz dazu kommen. Mit Jahresbeginn ist die neue Kooperation "RailNetEurope" in Kraft getreten, über die nun alle westeuropäischen Eisenbahnnetzbetreiber ihr Schienennetz gemeinsam anbieten. Auch die ÖBB nehmen an der Kooperation teil. Ein Privater kann damit bei den ÖBB nun eine Bahntrasse quer durch Europa bestellen und umgekehrt.

ÖBB-Netz-Chef Klugar sieht darin eine Chance für die Förderung der Eisenbahn: "70 Prozent des Güterverkehrs ist internationaler Verkehr." Derzeit liege die durchschnittliche Geschwindigkeit im grenzüberschreitenden EU-Güterbahnverkehr bei rund 50 km/h. Jede Verbesserung helfe allen Eisenbahnunternehmen.

Konkurrenz und Kunden

Für die ÖBB sind die privaten Bahnunternehmen nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kunden. Die Privaten zahlen für die Schienenbenützung an die ÖBB-Infrastruktur eine Schienenmaut, das so genannte Infrastrukturbenützungsentgelt (IBE). Auch der ÖBB-Absatz muss zwecks Wettbewerbsgleichheit ein solches Entgelt an den Infrastrukturbereich abtreten. Westbahn und Brenner sind die teuersten Strecken, die Südstrecke ist wegen der parallel verlaufenden ungarisch-slowenischen Bahnlinie zur Adria (Korridor V) relativ billiger.

Die Einnahmen aus der Schienenmaut bleiben allerdings nicht bei den ÖBB, sondern wandern als Pauschale derzeit weiter zur Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (Schig). 2002 hat die Schig daraus von den ÖBB 313,5 Mio. Euro erhalten. Heuer sollen es nach Bundesvorgabe 334,3 Mio. Euro sein. Auch für die nächsten Jahre ist eine Anhebung um jeweils rund 5,5 Prozent vorgesehen.

Ob die ÖBB auch künftig die IBE-Einnahmen an die Schig abführen werden, ist allerdings noch offen. Im Verkehrsministerium überlegt man derzeit, die Mittel in Zukunft nicht dem Schienenbau, sondern der Erhaltung und dem Betrieb zuzuweisen.

Weit dringender sind allerdings Strukturänderungen im Zuge der neuen EU-Wettbewerbsvorgaben, die mit 15. März umgesetzt werden müssen. Zwar lassen zwar bereits Dritte auf ihrem Schienennetz fahren. Handlungsbedarf gibt es allerdings noch bei der Zulassung der Privaten. Derzeit liegt nämlich die Trassenzuteilung und Erstellung der Sicherheitsbescheinigungen noch bei den ÖBB. Beides müssen die ÖBB, wenn sie ein integriertes Unternehmen mit Absatz und Infrastruktur in einer Hand bleiben, bis zum 15. März abgeben. (APA)