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Foto: APA/AFPI/Mure

Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin konnte es schon als Erfolg verbuchen, dass alle Konfliktparteien den (von den Gastgebern bezahlten) Flug nach Paris antraten. Sie suchen nun im Rugby-Trainingszentrum Linas-Marcoussis außerhalb der französischen Hauptstadt bis Ende nächster Woche hinter verschlossenen Türen einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg. Präsent sind die drei Rebellen-Formationen aus dem Landesnorden und -westen sowie die wichtigsten politischen Landesparteien, darunter die FPI (Front Populaire Ivoirien) von Staatspräsident Laurent Gbagbo.

Die Fronten sind militärisch wie politisch festgefahren. Rebellenführer Guillaume Soro verlangt sofortige Neuwahlen, Gbago lehnt aber kategorisch ab. Paris sucht einen Ausweg über eine Verfassungsreform, weshalb auch der 73-jährige französische Verfassungsrechtler und Exminister Pierre Mazeaud mit der Verhandlungsführung betraut wurde: Als Erstes soll das Wahlrecht der Immigranten festgeschrieben werden; sodann würde Gbagbo ein oppositioneller Premierminister zur Seite gestellt und ein Termin für Neuwahlen festgesetzt. Das Datum wäre das Kernproblem; Gbagbo hält daran fest, er sei bis 2005 gewählt.

Ärger über Sturheit

Die Aussichten auf eine Verhandlungslösung scheinen gering. Die Rebellen wollen sich den militärischen Vorteil auf dem Terrain nicht nehmen lassen, und Gbagbo zählt auf die Rückendeckung Frankreichs. Die Pariser Regierung in Paris ist zwar zunehmend verärgert über die Sturheit des ivorischen Präsidenten. Trotzdem muss die ehemalige Kolonialmacht Gbagbo aus Stabilitätsgründen stützen. Allzu viel steht auf dem Spiel in dem früheren Musterland Westafrikas, dem größten Kakaohersteller der Welt. Die aus Paris geschickten Fremdenlegionäre trennen nicht nur die Streithähne, sondern schützen auch den hauptsächlichen Landesreichtum: Nicht ganz zufällig sichern sie die Frontlinie ziemlich genau entlang der Nordgrenze der großen Kakaoplantagen.

Durch die Flucht von schätzungsweise 600.000 Menschen seit Bürgerkriegsbeginn haben Nachbarländer wie Mali, Burkina Faso und sogar Niger bereits große Probleme, zumal sie einen Großteil ihrer Ex- und Importe normalerweise durch den Hafen der ivorischen Metropole Abidjan abwickeln. Dies erhöht die Spannungen und die Gefahr eines regionalen Flächenbrandes. Die Regierung von Burkina unterstützt die Rebellen seit Beginn ohnehin ziemlich unverhohlen; und in Liberia schließt Präsident Charles Taylor zumindest die Augen, wenn Plündererbanden auf Beutezug in Cote d'Ivoire ziehen. Neuerdings lassen sich offenbar auch Sierra Leone und Guinea in den Strudel der Ereignisse reißen.

Frankreich wird deshalb alles an eine Friedenslösung setzen. Zuerst sollen sich die ivorischen Parteien in dem Pariser Rugbyzentrum zusammenraufen. Daneben wird französische Paralleldiplomatie der kolonialen "Françafrique"-Zeiten die Anrainerregierungen einbeziehen. Deren Staats- und Regierungschefs sollen dann am 25. Januar zusammenkommen, um eine Übereinkunft der Bürgerkriegsparteien unter dem Vorsitz von UNO-Generalsekretär Kofi Annan abzusegnen. Auf dem Reißbrett macht das Szenario durchaus Sinn. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2003)