Salzburg/Wien - Zu Tode beleidigt und die mörderische Überreaktion auf Kränkungen - das ist, wie Gerichtspsychiater Reinhard Haller in seinem Buch "Die Seele des Verbrechers" (NP Buchverlag) schreibt, eines der häufigsten Motive bei Gewalttaten im Familien- oder Bekanntenkreis. Eine Kränkung sei oft der Funke, der die gefährliche Mischung aus latenten Ängsten, mangelnder Frustrationsabfuhr und Affektstau zur Explosion bringe. In der Salzburger Marktgemeinde Grödig dürften Hallers Ausführungen am Freitag traurige Bestätigung erfahren haben.

Ein 35-jähriger Mann, von Beruf Detektiv, soll in den frühen Morgenstunden seine ehemalige Freundin, Alexandra W. (22), und deren 51-jährige Mutter Monika erschossen haben. Anschließend tötete er sich selbst mit einem Schuss in den Kopf.

Tatvorgang ein Rätsel

Der genaue Hergang des Verbrechens wird für immer ein Rätsel bleiben, es gibt keine Zeugen. Die Gendarmerie fand heraus, dass es etwa um Mitternacht in der Wohnung der 22-Jährigen, die als Kellnerin beschäftigt war, zu einem Streit zwischen ihr, ihrem "Ex" und ihrem neuen Freund (23) gekommen war. "Offenbar ein klassischer Eifersuchtsstreit", hieß es bei der Gendarmerie. Alexandra soll sich erst vor kurzer Zeit von dem Berufsdetektiv getrennt haben, er hingegen wollte die Beziehung aufrechterhalten.

Neuer Freund hatte nicht bei Kelnerin übernachtet

Alexandras Mutter, die in der Wohnung einen Stock über ihrer Tochter lebte, gelang es schließlich, die Querelen zu beenden. Das dachte jedenfalls der 23-jährige Flachgauer, als er in der Nacht nach Hause fuhr. Dass er nicht bei seiner neuer Freundin übernachtet hat, dürfte ihm das Leben gerettet haben. Freitagmorgen fand er die drei Leichen. Die beiden Frauen wiesen mehrere Schussverletzung auf.

Nachbarn hörten keine Schüsse

"Seltsamerweise haben die Nachbarn keine Schüsse gehört", berichtete Major Reinhard Sperl vom Gendarmeriekommando Salzburg. Am Tatort stellten die Kriminaltechniker eine Pistole, eine Glock 19, und ein leeres Magazin sicher. Eine Patrone war noch im Lauf. Der mutmaßliche Doppelmörder hatte für die Tatwaffe gültige Waffendokumente, er galt also als zuverlässiger Bürger, wie es das Waffengesetz vorsieht. Als Privatdetektiv durfte er die geladene Pistole immer bei sich tragen.

Rund 300.000 Menschen haben in Österreich eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenpass. Letzterer berechtigt zum Führen einer Faustfeuerwaffe. Wer eine Pistole, einen Revolver oder bestimmte Langwaffen will, muss seit 1997 eine Waffenverlässlichkeitsprüfung absolvieren. Wer beim "Psychotest" durchfällt, kann diesen aber jederzeit bei einer anderen zugelassenen Begutachtungsstelle wiederholen - so oft, bis es klappt. Nach Schätzungen befinden sich bis zu einer Million Schusswaffen in privaten Händen - mehr als bei Bundesheer und Sicherheitsbehörden gemeinsam. (simo, DER STANDARD Printausgabe 18.1.2003)