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Foto: APA/ Vassil Donev

Um es gleich vorwegzunehmen: Nach Eigenversuchen lieben Katzen - zumindest die weiblichen - Tenöre. Wobei Caruso alle anderen Sangeskünstler schlägt: Sein inbrünstig-kraftvoll und individualistisch-rau vorgetragenes "O sole mio" veranlasst trotz allen Knisterns der historischen Aufnahme selbst gestandene Kätzinnen, hinter dem CD-Player nach jenem "Kater" Ausschau zu halten, der sie so stimmgewaltig umwirbt.

Nach der erfolglosen Suche lernt Katz' zwar dazu und bleibt bei weiteren Darbietungen auf ihrem Plätzchen liegen, doch ihre Körpersprache signalisiert weiterhin tiefes Wohlbehagen und sinnliche Erregung. Auch andere Tenöre, von Pavarotti abwärts gefallen, aber auch populär Folkloristisches wie Gaetano Velosos hautnahe Fassung von "Cucurrucucú Paloma" oder edel Jazziges wie "The Girl von Ipanema", interpretiert von Joao Gilberto. Fazit: Kätzinnen lieben höherlagige männliche Stimmen mit Volumen und ausgeprägter Persönlichkeit.

Nach soziobiologischen Kriterien tun sie auch gut daran, schließlich wäre ein stimmlich so ausgestatteter Kater - ein muskulöser, großgewachsener Kerl mit Selbstbewusstsein und Leidenschaft - ein optimaler Papa für etwaigen Nachwuchs. Nicht nur bei uns Menschen, auch bei Katzen hat die Freude an Musik also einen sexuellen Unterton.

Doch auch Kater lieben Musik: Ein herrlicher, rot-weißer Katzbursch, den wir beherbergen durften, hatte folgende Hitparade: Roots-Reggae, Weihnachtslieder der Wiener Sängerknaben, Dudelsack-Fassung von Amazing Grace. Warum, blieb sein Geheimnis - offensichtlich haben Katzen auch Sinn für die reine Kunst.

Im Wiener Tierschutzhaus wurde nun eigens für Zimmertiger komponierte Instrumentalmusik wissenschaftlich untersucht. Betreut durch den Haustier-Psychologie-Experten Hermann Bubna-Littitz, testete die Tierärztin M. Schlesinger die Wirkung der Musikstücke, die von E. Geppner komponiert worden waren. Das Ergebnis der Versuche: Die Katzen suchten die Nähe zu den Lautsprechern, und ihre Aggressivität nahm während der Abspielung der Musiknummern ab.

Auf unsere Ohren wirkt die "Music for Cats and Friends" - so der Titel der beiden übers Internet erhältlichen CDs - ziemlich new agig, beinahe überharmonisch und eher mainstreamig. Trotzdem - den Tierschutzhaus-Katzen hat's gefallen.

Allen Katzen und auch (fast) allen anderen Tieren gefällt bekanntlich Barockmusik: Bach, dessen pure Existenz ja Beweis für die Existenz Gottes sein soll, klingt auch dem Getier himmelreichmäßig in den Ohren. Dass Rindvieh mehr Milch gibt, wenn seine Kantaten es beschallen, ist wissenschaftlich erwiesen. Ebenso, dass Dissonantes unseren tierischen Mitgeschöpfen missfällt: Bob Dylans Mundharmonika, Freejazz, Punk- und Hardrock sind für Viecher keineswegs "tierisch geil".

Gewarnt sei aber auch vor zu viel vermenschlichter Interpretation: Dass sich eine Schildkrötenfamilie regelmäßig vor dem auf dem Boden platzierten Radio einfand, dürfte weniger am Musikprogramm gelegen haben als vielmehr an der Wärmestrahlung des Geräts. ( Andrea Dee, DER STANDARD Printausgabe 18.1.2003)


"Music for Cats and Friends"
Vol. I und II, je € 16,50
Bestellung, Hörproben und
Infos unter: www.atn-ag.ch