Wien - Russland wird mit zunehmender politischer und wirtschaftlicher Stabilität für westliche Unternehmen interessant, Investoren brauchen aber nach wie vor einen sehr, sehr langen Atem, warnt Uwe Kumm, der Leiter des Moskauer Büros des Unternehmensberaters Roland Berger, vor Träumen nach dem schnellen Rubel.

"Kein unsicheres Land mehr"

Lob gab es für den Reformkurs. "Russland ist kein unsicheres Land mehr", resümiert Kumm. Die Wirtschaftslage habe sich stabilisiert, vor allem seit dem Amtsantritt von Präsident Wladimir Putin. Der notwendige Rechtsrahmen sei vorhanden, Probleme gebe es aber mit der Umsetzung. Auf der positiven Seite stünden die Entflechtungen und Demonopolisierungen. Durch den geplanten Beitritt zur WTO würden auch die derzeit teilweise sehr hohen Zollschranken fallen. Für die russische Wirtschaft werde außerdem in den kommenden Jahren ein stabiles Wachstum von rund vier Prozent prognostiziert, bei einer heuer erstmals einstelligen Inflationsrate.

Kontakte

Das Um und Auf im Geschäft seien aber nach wie vor Kontakte. Die werden aber weniger im Büro geknüpft, sondern vielmehr in der Sauna, bei der Jagd oder zunehmend auch auf dem Golfplatz. Von den Branchen her erwartet Roland Berger einen Aufschwung vor allem im Handel und in der Lebensmittel-, Verpackungs-, Kunststoff- und chemischen Industrie.

Ein Beispiel für den Drang nach Russland ist der heimische Mayr-Melnhof-Konzern. Der Karton- und Faltschachtelhersteller will noch in der ersten Jahreshälfte mit dem Bau einer Faltschachtelfabrik in der Nähe von Sankt Petersburg starten. (red, DER STANDARD, Printausgabe 18.1.2003)