Was den Energieverbrauch betrifft, sind die USA konkurrenzlos: Im Jahresdurchschnitt verbraucht ein Amerikaner Energie im Gegenwert von rund 9000 Liter Öl oder Benzin. Ein Faktum, das sich nicht nur im äußerst liberalen Umgang mit Umweltstandards, sondern auch im emsigen außenpolitischen Engagement der Großmacht in den Ölregionen niederschlägt. Im Vergleich dazu erscheinen die Österreicher mit ihren 4500 jährlichen Litern geradezu als Energiesparmeister. Natürlich nur relativ gesehen, denn am anderen Ende der Skala überlebt ein durchschnittlicher Afrikaner auch mit mageren 300 Litern. Außerdem kann es sich das Land offensichtlich leisten, mehr als 50 Prozent der gesamten in Österreich eingesetzten Energie praktisch ungenutzt in die Atmosphäre zu schicken - trotz aller Bemühungen um Emissionsreduktionen.

Zweifellos spielen Industrie und Wirtschaft eine wesentliche Rolle dabei, aber auch die privaten Haushalte liefern ihren nicht zu geringen Beitrag. Um die enormen Energiemengen zu minimieren, die auf dem Weg zum Endnutzer aufgrund ineffizienter Technologien verloren gehen, erarbeitet eine Forschergruppe an der Wiener Technischen Universität die für eine technische und gedankliche Umrüstung nötigen Grundlagen und Strategien.

"Grundsätzlich", erklärt Reinhard Haas, Leiter des vom Wissenschaftsfonds geförderten Projekts, "gehen wir bei dieser Arbeit davon aus, dass die Energieversorgung in Richtung eines nachhaltigen Systems verändert werden kann, wenn die eingesetzten Technologien optimal ausgewählt werden. Unser Ziel ist es, durch entsprechende Optimierungsvorschläge die Kosten für die Bereitstellung von Energiedienstleistungen zu minimieren."

Mit einbezogen in die Berechnungen werden neben den unmittelbaren Kosten für Energie und Technologie auch jene, die langfristig durch die Umweltbelastung für die gesamte Gesellschaft entstehen. Aus diesem Grund spielen in den Vorschlägen die erneuerbaren Energieträger eine wesentliche Rolle.

Dringenden Handlungsbedarf ortet Reinhard Haas vor allem im Bereich der Raumheizung: Immerhin geht für die behagliche Wärme in den österreichischen Wohnungen der größte Teil der eingesetzten Energie auf - und das, obwohl der Energieverbrauch fürs Heizen in den vergangenen drei Jahrzehnten um nicht viel mehr als zehn Prozent gestiegen ist. Zum Vergleich: Für Pkw hat er sich im selben Zeitraum verdreifacht. "Die Effizienz der Heizkessel hat sich seit den 80er-Jahren zwar enorm verbessert, trotzdem sind noch viele Kessel mit veralteter Technik in Verwendung", erläutert Haas. "Durch sie wird rund die Hälfte der eingesetzten Energie schlicht beim Kamin hinausgeheizt."

Neuere Heizsysteme - egal, ob mit Öl, Gas oder Biomasse betrieben - haben immerhin schon einen Wirkungsgrad von 80 Prozent. "Damit kann man", sagt der Experte, "beträchtlich an Energiekosten einsparen. Allerdings nur dann, wenn parallel dazu das Gebäude auch optimal gedämmt wird." Perfekt wäre das Heizsystem für Einfamilienhäuser schließlich durch eine zusätzliche Kombination mit Solarenergie zur Warmwasseraufbereitung im Sommer. "Das ist in vielen Fällen die langfristig effizienteste Variante", fand Haas in zahlreichen Untersuchungen heraus.

Neben den Energiegroßverbrauchern Heizung (53 Prozent vom gesamten Energieverbrauch eines Haushalts) und Pkw (35 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs) nimmt sich der Stromverbrauch der Haushalte mit einem Anteil von rund zehn Prozent am Gesamtenergieverbrauch fast bescheiden aus: E-Herd (zehn Prozent sowie die Beleuchtung (rund 17 Prozent) stehen hier weit oben auf der Verbraucherliste.

Die gefräßigsten Stromschlucker sind allerdings die Kühl- und Gefriergeräte, auf ihr Konto gehen satte 28 Prozent. In den vergangenen Jahren drastisch angestiegen ist auch der für Wäschetrockner eingesetzte Energieanteil - diesen zur Gänze aus erneuerbaren Quellen zu beziehen ist eine der mittelfristigen Visionen der Wiener Energieforscher.

Beträchtliche zusätzliche Energiekosten sieht Haas auch mit den neuen Technologien wie etwa den PCs auf die Haushalte zukommen: "Diese Geräte werden immer häufiger und immer länger benutzt, die Peripherie wird immer extravaganter, dennoch gibt es bis jetzt nur sehr bescheidene Effizienzkriterien."

Die von den Forschern entwickelten Optimierungsvorschläge für eine österreichische Energiestrategie der nächsten Jahrzehnte könnten - so sie auch umgesetzt werden - nicht nur für die Geldbörsen der Österreicher, sondern auch für die Umwelt eine beträchtliche Entlastung bringen. Immerhin ist es möglich, durch verbesserte Technologien allein an Heizkosten im Extremfall bis zu zwei Drittel einzusparen. Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien könnte zudem die prekäre Abhängigkeit von den begrenzten fossilen Ressourcen reduzieren und das Ziel einer nachhaltigen Energienutzung etwas näher rücken. Um den Sprung von der Vision zur Realität zu schaffen, sind allerdings politische Entscheidungen zu treffen, auf die man bislang vergeblich gehofft hat. Denn ohne entsprechende Anreize über die Energiepreise bleibt grüne Energie ein Thema für wissenschaftliche Studien und politische Sonntagsreden. (Doris Griesser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 1. 2003)