Paris im Speziellen und Frankreich im Allgemeinen haben sich im ersten Jahr nach der Öffnung des französischen Kunstmarktes für ausländische Auktionshäuser international behauptet. Neue Messen sprießen aus dem Boden und die Galeristen bezeichnen sich generell als "sehr zufrieden", legen jedoch ihre Umsätze nicht stolz vor wie die Auktionshäuser. Die für Paris bereits definitiv vorliegenden Auktionsumsätze belaufen sich, inklusive des im Vorort Neuilly und in Paris tätigen Versteigerers Claude Aguttes, auf 640 Millionen Euro brutto. Diese Summe liegt zwar 61 Millionen Euro unter dem Gesamtwert von 2001, aber für 2002 ist die Auflistung stichhaltiger: An den vier Versteigerungsorten von Drouot wurden 370 Millionen insgesamt umgesetzt, wovon 360 Millionen Euro auf den Kunstmarkt kommen (2001: 571,3 Millionen Euro).

Tajan, der seine Prestigeauktionen unabhängig von Drouot abhält, fügt 69 Millionen Euro hinzu, ebenso Artcurial-Briest-Poulain-Le Fur, die in ihren Häusern weitere 60,3 Millionen Euro einfuhren. Aguttes (Neuilly), der teilweise mit Artcurial liiert ist, gibt knapp 17 Millionen Euro an, Christie's 57 Millionen, Sotheby's 50,1 Millionen Euro und Pierre Bergé 14 Millionen Euro. Der Auktionsplatz Paris erlitt dementsprechend eine nur zehnprozentige Umsatzminderung im Verhältnis zu 2001. Diese Zahlen sind auch insofern interessant, als die "Ausländer" Christie's und Sotheby's - wider Erwarten - keine spektakulären Marktanteile übernahmen, da ihre Umsätze hinter den Pariser Spitzenversteigerern rangieren.

Das jahrelang in den Köpfen der Franzosen geisternde Schreckgespenst der internationalen Giganten löste sich in Luft auf: Verblieben sind zwei (durch die US-Prozesse geschwächte) Auktionshäuser, bei denen die Prestigeobjekte noch rarer sind als bei ihrer französischen Konkurrenz und wo sich die Durchschnittsware (insbesondere Möbel) mittlerer Qualität häuft. Da die Franzosen - nach mehr als 400 Jahren staatlich reglementierter Auktionen - sich vom Justizkontrollorgan nicht völlig lösen konnten (was viele ärgert, aber dem Konsumentenschutz und der Berufsethik dient), wurde Ende 2001 der "Versteigerungsrat" vom Justizministerium einberufen, der seinen ersten Tätigkeitsbericht vorlegte. Das elfköpfige Gremium hat 343 Auktionsgesellschaften offiziell zugelassen und 477 Personen mit dem obligaten Titel "zugelassener Versteigerer" individuell bedacht. Auch 75 Experten wurden zugelassen, die nun die strengen Gesetzesregeln befolgen und einen Prozentsatz ihrer Einkünfte an den Versteigerungsrat abgeben müssen, wozu die restlichen, nicht zugelassenen Experten, nicht verpflichtet sind. Eine ungesunde Zweigleisigkeit, die aber noch länger existieren wird.

Zahlenmäßig gab es zahlreiche Highlights im vergangenen Auktionsjahr, wobei der in Vendôme ansässige Versteigerer Philippe Rouillac den Jahresrekord-Vogel abschoss: 5,2 Millionen Euro für ein Porträt des US-Präsidenten George Washington, das Charles W. Peale 1782 malte. Die moderne Malerei punktete dank der Sammlung Olga Carré (Witwe des Galeristen Louis Carré), wo Fernand Léger mit 2,47 Millionen Euro den Höchstzuschlag erhielt. Die Jahresspitze hält jedoch Sonja Delaunay mit Le Marché au Minho, für 4,6 Millionen Euro. Eine spanisch-maurische Amphora spielte 3,65 Millionen Euro ein.

Die klassische französische Skulptur erlebte zu Jahresende 2002 echte Höhenflüge mit zahlreichen Weltrekorden für Auguste Pajol (897.000 Euro), Johan Tobias Sergel und Jean-Baptiste Houdon. Auch französisches Silber sorgte (diesmal bei Sotheby's) für einen Weltrekord: 863.000 Euro für ein silbernes Kerzenleuchter-Paar von Antoine-Sébastien Durand. Laut Christie's Europapräsident François Curiel hat Paris den "Chic-Faktor", d.h. internationale Käufer und Verkäufer mögen es besonders, in Paris zu (v)ersteigern. Olga Grimm-Weissert []