Seit mehreren Wochen sind in Wien wieder Baumpflegetrupps unterwegs, die Misteln von den Bäumen schneiden. Als Glücksbringer erfreuen sich diese Schmarotzerpflanzen zu Weihnachten zwar großer Beliebtheit, für ihren "Wirt" sind sie aber eine Plage: Der Halbparasit - "halb", weil die Mistel über ihre immer grünen Blätter selbst Photosynthese betreibt - entzieht seiner Wirtspflanze Wasser und Nährstoffe, was bei nachhaltigem Befall sogar zum Absterben des Baumes führen kann. Andererseits leben viele Bäume trotz des Schmarotzers jahrzehntelang.

Andererseits haftet der Mistel seit Jahrhunderten der Ruf heilender Kräfte an: Im Mittelalter fand sie als Medizin gegen Geschwüre und Vergiftungen Verwendung, Pfarrer Kneipp wandte sie bei Frauenleiden und Kreislaufstörungen an. Heute beschäftigt sich vor allem die Krebsforschung mit ihren Wirkstoffen, und Tee aus Mistelblättern und -zweigen wird zur Blutdrucksenkung und Gefäßerweiterung verabreicht.

Den Bäumen hilft das Abschneiden der Misteln übrigens nur dann, wenn tief ins gesunde Holz hineingeschnitten wird: Die Wurzeln reichen nämlich bis zu zwei Meter in den Baum hinein. Erfolgreicher, aber anstrengend ist die Methode, die Misteln mit einer Stange immer wieder herunterzustoßen: So wird langfristig der Wurzelansatz zerstört. Marie-Therese.Gudenus @derStandard.at