Frankfurt/Main - Der vor gut einer Woche in Frankfurt am Main mit seinem Begleiteter verhaftete jemenitische Geistliche soll nach Erkenntnis amerikanischer Sicherheitsbehörden mehrfach mit Osama bin Laden zusammengetroffen sein. Das berichtete am Samstag das Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" vorab. Danach werfen US-Fahnder Scheich Mohammed Ali Hassan el Moajed außerdem vor, er sei zwischen 1997 und 2002 mehrfach mit Personen in den USA verabredet gewesen, um El Kaida und die palästinensische Hamas zu unterstützen.

Vorwürfe

El Moajed soll den Informationen zufolge Kämpfer rekrutiert, Waffen organisiert, Geld gesammelt und konspirative Kontakte hergestellt haben. Einen entsprechenden Haftbefehl habe ein US-Bundesgericht im Staat New York am 5. Jänner ausgefertigt, fünf Tage vor dem Zugriff in Deutschland.

Die beiden Jemeniten waren bei ihrer Verhaftung von den US-Behörden offenbar gezielt in eine Falle gelockt worden. Ein Landsmann habe mit den beiden ein Treffen in Deutschland verabredet, um ihnen zwei wohlhabende muslimische Geschäftsleute vorzustellen, die angeblich großzügig spenden wollten, berichtete der "Spiegel". Bei den Geschäftsleuten soll es sich um zwei US-Agenten gehandelt haben.

Entgegen anderen Berichten soll es sich laut "Focus" bei der in Aussicht gestellten Spende nicht um einen Millionenbetrag, sondern um eine monatliche Zahlung von insgesamt mehreren tausend Dollar gehandelt haben. Gegenüber ihren Anwälten hätten die beiden Festgenommenen ihre Unschuld beteuert. El Moajed habe sich von Bin Laden nach dessen Hinwendung zum internationalen Terrorismus distanziert und dies seinen Gesprächspartnern im Hotel auch deutlich gemacht, schreibt das Magazin unter Berufung auf den Begleiter des inzwischen Festgenommenen.

Auslieferung

Die beiden Jemeniten befinden sich auf Ersuchen der USA inzwischen in vorläufiger Auslieferungshaft. Über eine Auslieferung in die USA wird nun voraussichtlich innerhalb der nächsten 60 Tage entschieden.

Unterdessen gab es neue Berichte, wonach die deutschen Sicherheitsbehörden bei der Aufklärung der islamistischen Szene in Hamburg, aus der sich die Attentäter vom 11. September rekrutierten, offenbar aneinander vorbeigearbeitet haben. So sei etwa in Hamburg nicht bekannt gewesen, dass der inzwischen als Terrorhelfer angeklagte Mounir el Motassadeq schon ab 1999 vom Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet worden sei, berichtete "Der Spiegel" am Samstag. Auch die späteren Attentäter selbst seien schon vor den Anschlägen ins Visier der Behörde geraten, ohne dass die verantwortlichen Stellen in der Hansestadt davon informiert worden seien.

(APA)