München/Frankfurt/Main - Buchmessen-Direktor Volker Neumann würde am liebsten an Frankfurt als Messeplatz festhalten. "Wenn es uns möglich gemacht wird, zukunftsorientiert Veränderungen am Standort Frankfurt vorzunehmen, ist das selbstverständlich die beste aller Lösungen", sagte er am Sonntag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es könne aber nicht angehen, dass Stadt, Messe und Hoteliers die Frankfurter Buchmesse als "gottgegeben" ansähen und sich nicht bewegten. An diesem Montag wollen sich die Beteiligen zu einem Spitzengespräch in Frankfurt treffen.

Ein Wechsel nach München wäre für Neumann nur die zweitbeste Lösung: "Für mich steht auf dem Spielplan, die Messe in Frankfurt in ein ruhiges Fahrwasser zu führen und zu vernünftigen Bedingungen machen zu können." Der seit September 2002 amtierende Buchmessen-Direktor hatte vorigen Donnerstag mit der Ankündigung für Wirbel gesorgt, er denke darüber nach, den Buchmessen-Standort aus Kostengründen von Frankfurt nach München zu verlegen. In Frankfurt gab es bei Politikern, Verlagen und Kulturschaffenden einen Aufschrei der Empörung. Man dürfe die jahrzehntelange Tradition der Buchstadt Frankfurt und deren internationales Image nicht leichtfertig opfern.

Neumann sieht die Buchmesse angesichts der steigenden Kosten unter Handlungszwang, deshalb habe er die Debatte angestoßen. "Sonst wäre ja nichts passiert." Bislang sei seine mehrfach geäußerte Kritik an steigenden Standmieten und exorbitant hohen Zimmerpreisen ungehört verhallt, sagte Neumann. "Das hat niemanden wirklich gedrängt. Die Stadt nicht, die Messe nicht, die Hoteliers auch nicht. Man nahm das einfach als gottgegeben, dass jedes Jahr die Frankfurter Buchmesse stattfindet, dass die Hotels voll sind, dass die Restaurants voll sind und dass das Messegelände zu Höchstpreisen gemietet wird. Dieser Automatismus kann nicht sein."

Daraufhin habe er bei einer Verlegertagung gefragt, ob sich die Verlage generell einen Standortwechsel vorstellen könnten. "Das einhellige Votum war: Ja." München sei nicht explizit genannt worden, ergebe sich aber zwangsläufig. Von der Größe des Messegeländes komme ansonsten allenfalls noch Hannover in Frage. Die Stadt sei aber "keine ernst zu nehmende Alternative für ein Kulturevent." Leipzig wäre nach Angaben Neumanns "viel zu klein, dort gibt es nicht einmal ein Drittel der notwendigen Kapazität".

Vermutungen, er habe München ins Spiel gebracht, weil er als früherer Bertelsmann-Manager dort gearbeitet habe, wies Neumann scharf zurück. "Ich habe immer gesagt, dass ich die Frankfurter Buchmesse liebe. Es ist eine völlig falsche Darstellung, wenn es heißt, ein Konzern würde auf mich Einfluss haben, oder mich würde es zurückziehen nach München, deshalb müsse die Messe dorthin zurück. Das ist absoluter Blödsinn." (APA/dpa)