Die britische Boulevardzeitung "Mail on Sunday" hat eine Einstweilige Verfügung des Hamburger Gerichts missachtet und weiter über die angebliche Affäre von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) berichtet. Unter der Überschrift "Sorry, Herr Schröder, Großbritannien regieren Sie nicht - jedenfalls noch nicht", widmete das Massenblatt der Gerüchteküche am Sonntag fast zwei Seiten.

Massenprotest

Die "Mail" sei eine britische Zeitung, die ihren Artikel nicht in Deutschland veröffentlicht habe und nach britischem Recht frei sei, ihre Behauptungen weiterhin zu drucken. Ein Hamburger Gericht hatte der Zeitung am Donnerstag unter Androhung einer Geldstrafe von rund 234.000 Euro verboten, weiter über Schröders angebliche Affäre zu berichten (etat.at berichtete).

"Schröder-Hotline"

Die Zeitung forderte die britischen Leser zum Massenprotest bei der deutschen Botschaft in London auf. Die deutschen Leser sollten dem Blatt über eine "Schröder-Hotline" oder per E-Mail "Geschichten" über den Bundeskanzler übermitteln. In einem langen Kommentar warnte die als Europa-skeptisch bekannte "Mail on Sunday" zudem vor der Gefahr eines "Europäischen Superstaates".

Der EU schlössen sich immer "instabilere Teile Europas" an. Doch dies heiße nicht, "dass britische Freiheiten in die Slowakei oder nach Litauen übertragen werden". Vielmehr würden slowakische Praktiken nach Großbritannien importiert. Nach Einführung des EU-Haftbefehls könnten britische Bürger künftig "in irgendeinen europäischen Staat" ausgeliefert werden, obwohl sie nach britischem Recht gar keine Straftat begangen hätten.

Die "Mail on Sunday" hatte Anfang Januar als erste Zeitung über Schröders angebliches Techtelmechtel mit einer Journalistin berichtet. Mehrere deutsche Medien übernahmen die Berichterstattung. Am Dienstag wird vor dem Berliner Landgericht verhandelt, ob die "Märkische Oderzeitung" damit die Privatsphäre des Kanzlers verletzt hat. (APA/AFP)