Wien - Wunschlos glücklich? Gut für den, der das ehrlich meint. Choreografin Liz King, seit der Spielzeit 1999/2000 für das Tanzrepertoire an der Volksoper verantwortlich, und Regisseur Martin Gruber vom Aktionstheater Ensemble haben gemeinsam Je veux je veux auf der Volksopernbühne zur Premiere gebracht.

Ausgangspunkt war Jean Genets Der Balkon: eine Inspirationsquelle, von der man sich leiten ließ, um Eigenes zu erfinden. Klar, Genets "Haus der Illusionen" liefert genug Material, das zur tänzerischen Interpretation auffordert. Zu Strawinskys Concerto in d laufen sechs Frauen und sechs Männer an Ort und Stelle. Sie sind Gruppe in einem plattenverkleideten Raum (Stefan Rieckhoff). Eine folgsame Masse, aus der sich der Einzelne herausschält. Anonym bleibend, doch so, dass jeder seine Sehnsüchte preisgibt.

Es ist das Mittelstück des Abends, bei dem Martin Gruber ganz deutlich überzeugend sein Metier herauskehrt. Nicht nur die drei Schauspieler (Aktionstheater), sondern auch die Tänzer artikulieren ihr Begehren. Was die Männer äußern, wird im "Haus der Illusionen" von den Frauen kommentiert und kommuniziert. In die dramatisch gestalteten Sequenzen mischt sich immer wieder der Solotanz: Da sticht Esther Balfe heraus; Daphne Strothmann duelliert sich in kämpferischer Manier; und Michael Dolan darf Bewegungskomiker sein.

Dann Pause: Bruch. Es spielt das Orchester der Volksoper unter Elisabeth Attl Strawinskys Symphonie in drei Sätzen. Musik, die schon Balanchine dynamisch umsetzte. Das Tempo bestimmt den Drive: Im offenen Raum gibt sich das Ballett der strikt choreografierten, wohl dosierten Tanzeslust hin. "Je veux" - so soll es sein! (knei)