Alvaro de Soto

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Der Konflikt zwischen Griechen und Türken auf Zypern existiert schon seit Jahrzehnten; zahlreiche Vermittler haben sich daran die Zähne ausgebissen. Doch jetzt verkündet der UNO-Sondergesandte Alvaro de Soto optimistisch, dass es bis zum Ende der Frist am 28. Februar zu einer Lösung und damit zur Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel kommen kann.

Es gibt ein starkes Druck-mittel für eine Einigung: die EU-Erweiterung. Am 16. April sollen Zypern und die neun anderen Kandidaten in Athen die Beitrittsdokumente unterzeichnen. Gibt es im Inselstreit keine Einigung, bleiben die Zyperntürken draußen.

Und dann ist da noch die spezielle, vom peruanischen Diplomaten de Soto (60) mit entwickelte Verhandlungsmethode, die auf dialogunwillige Streithähne zugeschnitten ist. De Soto führt zunächst mit den Streitteilen getrennte Gespräche. "Man hört sich die Interessen, Wünsche und Ängste beider Seiten an", sagte er in einem Interview. Dann entwirft er ein Papier, das "nicht unbedingt in der Mitte liegt, aber fair und realisierbar ist". Später werden die Kontrahenten zu Änderungsvorschlägen eingeladen. "Es können 20 Überarbeitungen nötig sein oder auch 50", sagt de Soto. Mit der Zeit "fallen die härtesten Einwände weg, es ist wie beim Schälen einer Zwiebel".

Seinen ersten Erfolg erreichte der UN-Diplomat 1992, als er nach zwölf Jahre dauernden Verhandlungen den Bürgerkrieg im zentralamerikanischen El Salvador mit einem Friedensvertrag beendete. Zuvor hatte er als Vertreter Perus und Sprecher der Entwicklungsländer (Group of 77) an der UNO-Seerechtskonferenz teilgenommen. 1982 holte ihn der damalige UN-Generalsekretär, der Peruaner Javier Pérez de Cuellar, ins Hauptquartier. Das Leben in New York konnte der begeisterte Theaterbesucher nicht lange genießen. 1999 machte ihn Kofi Annan zum Unter-Generalsekretär und setze ihn als Zypern-Verhandler ein.

De Soto empfahl zur Lösung des Konflikts, mit dem sich schon Kurt Waldheim (Generalsekretär 1972-1981) herumgeschlagen hat, einen beide Seiten schmerzenden Kompromiss. Statt des vom griechisch-zyprischen Präsidenten Glafcos Clerides ( 83) geforderten Zentralstaats sieht er einen aus zwei weit gehend autonomen Einheiten bestehenden Bundesstaat vor. Für Leopold Maurer, den aus Wien stammenden EU-Verhandler für Zypern, ist dieser Plan "den Türken sehr entgegenkommend". Trotzdem lehnt ihn der Türkenführer Rauf Denkta¸s (79) noch ab, weil er auch die Rückgabe von 49 nun türkisch besiedelten griechischen Dörfern beinhaltet.

Doch Denkta¸s steht zweifach unter Druck: Die neue Regierung der Türkei möchte eine Annäherung an die EU - und auch ein Großteil der Zyperntürken will liebend gern in die Europäische Union.
(DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2003)