Bagdad - Die Chefinspektoren der Vereinten Nationen haben in Bagdad Gespräche mit der irakischen Regierung aufgenommen, deren Verlauf die Entscheidung über Krieg und Frieden bringen könnte. Nach einem ersten Treffen am Sonntag sprach der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed ElBaradei, von "einigen Fortschritten". Der Leiter der UNO-Abrüstungsmission, Hans Blix, sagte bei seiner Ankunft in Bagdad: "Wir glauben nicht, dass ein Krieg unvermeidlich ist."

Blix und ElBaradei werden dem Sicherheitsrat in einer Woche über das Ergebnis der Rüstungskontrollen berichten. Blix erklärte, die Inspektionen seien kein Vorspiel zu einem Krieg: "Sie sind eine Alternative zu Krieg." Das erste Treffen der beiden UNO-Repräsentanten mit irakischen Regierungsvertretern dauerte zwei Stunden. Die irakische Delegation wurde angeführt von Generalleutnant Amer el Saadi, einem der wichtigsten Berater von Staatschef Saddam Hussein. Eine weitere Gesprächsrunde soll am Montag stattfinden.

Ob es zu dem von den USA angedrohten Krieg kommen wird, hängt nach den Worten ElBaradeis entscheidend von "den Fortschritten ab, die wir in den nächsten wenigen Wochen erzielen". Weiter sagte der Leiter der IAEO: "Wir müssen Fortschritte vorzeigen, weil die internationale Gemeinschaft sehr ungeduldig wird."

Für Aufregung sorgte am Wochenende die Entdeckung wissenschaftlicher Arbeiten über die Anreicherung von Uran, die zur Entwicklung von Atomwaffen genutzt werden könnte. ElBaradei kritisierte, dass die Unterlagen im Privathaus eines Wissenschaftlers aufbewahrt wurden. Es stelle sich die Frage, ob es noch mehr solche Dokumente gebe, sagte er und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass der Irak die Initiative ergreift und damit herausrückt." Der Physiker Faleh Hassan erklärte, die Dokumente stammten aus persönlichen Forschungsvorhaben und Arbeiten seiner Studenten. Diese seien den Vereinten Nationen bereits 1991 vorgelegt worden.

Die UNO-Experten besichtigten am Wochenende mindestens elf Anlagen. Am Sonntag brachen Teams unter anderem zu einer Munitionsfabrik südlich von Bagdad und zu einer Chemiefabrik in der Hauptstadt auf. Eine geplante Inspektion im Norden des Landes wurde am Samstag aus Sicherheitsgründen gestoppt, weil die irakischen Verbindungsoffiziere darauf bestanden, einem UNO-Team mit dem Hubschrauber zu folgen - in die von amerikanischen und britischen Flugzeugen kontrollierte Flugverbotszone.

Wie lange die Ende November aufgenommenen Inspektionen fortgesetzt werden sollen, nachdem Blix und ElBaradei am 27. Jänner ihren Bericht im Sicherheitsrat vorgelegt haben, ist unklar. Weltweit gingen am Wochenende hunderttausende Kriegsgegner auf die Straße, um für eine friedliche Lösung des Konflikts zu demonstrieren. Allein in der US-Hauptstadt Washington gingen nach Angaben der Organisatoren eine halbe Million Demonstranten auf die Straße. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern fanden Friedensmärsche statt. In Wien nahmen Freitag Abend rund 1.000 Menschen, vor allem Schüler und Studenten, an einer Demonstration teil. In Brüssel demonstrierten etwa 6.000 Menschen gegen eine militärische Intervention im Irak.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, innerhalb von Wochen werde klar sein, ob der Irak völlig mit den Inspektoren zusammenarbeite. Er sei dafür, dem irakischen Staatschef Saddam Hussein Straffreiheit zuzusichern, wenn dies den Weg für seinen Gang ins Exil ebnen und damit einen Krieg verhindern würde. Er hoffe, dass der irakische Staatschef ein Leben außerhalb des Irak in Erwägung ziehe, sagte Rumsfeld dem US-Fernsehsender ABC und sprach auch von der Möglichkeit eines Sturzes. "Ich glaube, das Volk in seinem Land weiß, was für ein böses Regime er führt, und sie beschließen möglicherweise, ihn rauszuwerfen", sagte Rumsfeld. US-Außenminister Colin Powell schloss im Fernsehsender CBS eine Verlängerung der UNO-Waffeninspektionen nicht grundsätzlich aus. (APA/AP/dpa)