Volkert van der Graaf, der geständige mutmaßliche Mörder von Pim Fortuyn, wartet derzeit auf die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens. Danach kann sein Prozess beginnen. Doch das wird erst nach den Wahlen geschehen, denn die Untersuchung soll noch Wochen dauern.

Van der Graaf war am 6. Mai kurz nach dem Attentat auf Fortuyn in Hilversum nahe des Tatorts von Polizisten überwältigt worden. Sie fanden eine Schusswaffe bei ihm, die später als die Mordwaffe identifiziert wurde. Die Tatmotive blieben zunächst unklar, obwohl bekannt war, dass van der Graaf radikaler Umweltschützer war, während Fortuyn im Wahlkampf gegen den Umweltschutz polemisiert hatte. Van der Graaf selbst schwieg ausdauernd. Erst im November legte er ein umfassendes Geständnis ab.

Er habe Fortuyn erschossen, weil er zum Schluss gekommen sei, dieser werde eine immer größere Gefahr für verletzbare gesellschaftliche Gruppen, "durch die stigmatisierenden Denkbilder Fortuyns und die polarisierende Weise, auf die er sie vertrat", erklärten die Behörden.

Neue Diskussionen

Das Geständnis des Beschuldigten hat die Diskussion darüber neu angefacht, ob es sich bei van der Graaf um einen Einzeltäter oder den Ausführenden einer Verschwörung handelt. Die Justiz ermittelt zurzeit nur gegen van der Graaf, obwohl auch dessen Freundin im Zusammenhang mit einem Sprengstofffund kurzzeitig festgenommen worden war. Bisher konnte die Polizei auch noch nicht klären, wie van der Graaf zur Tatwaffe kam, die aus einem später in Konkurs gegangenen Waffenladen in Belgien stammt.

Nach den jüngsten Ermittlungen der Polizei, die an die Öffentlichkeit drangen, scheint auch das bisherige Bild des Beschuldigten als eines kaltblütigen Mörders, der seine Tat genau geplant habe, nicht zu stimmen. Das Attentat, das die Niederlande in ihren Grundfesten erschütterte, sei eher amateurhaft und ohne große Vorbereitung ausgeführt worden, so eine Tageszeitung, die sich auf Polizeikreise beruft.
(DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2003)