Bild nicht mehr verfügbar.

In vielen amerikanischen Fernsehprogrammen werden Sonntagfrüh Messen gezeigt.

Im österreichischen wurde Samstagmittag eine Andacht abgehalten. Es galt dem Heiligen der österreichischen Nation, dem Comeback-Herminator Hermann Maier. Auferstanden von den Toten, zusammengeflickt und zurückgekehrt auf Rang sieben bei der zweiten Abfahrt in Wengen - mit nur zwei Sekunden Rückstand. Das war zu viel für Robert Seeger. Er konnte gar nicht genug kriegen, dieses Wunder zu loben und zu preisen.

Foto: Reuters/SPRICH

Armin Assinger war da diesmal weit zurückhaltender,

ein braver Messdiener also, und wies auch auf ein paar, sagen wir, Unter-Heilige hin. Anbetungswürdige also, die noch kein stundenlanges Gebet verlangen, sondern vielleicht nur ein minutenlanges: der eiserner Steff etwa oder der fleißige Michael.

Foto: ORF/Ramstorfer

Aber wer will es Robert Seeger verdenken:

Er ist nicht der erste, der von dieser Maiermania ergriffen wurde, und er wird nicht der letzte sein. Es scheint sich hier nämlich um eine Epidemie zu handeln. So schreibt auch der Teletext in der Headline nicht "Bruno Kernen gewinnt, Walchhofer und Eberharter auf den Plätzen, Maier siebenter" sondern "Kernen gewinnt, Maier auf Platz sieben".

Foto: ORF/Ramstorfer

Und ein Magazinverlag ist ganz hin und weg wegen Hermann.

Neulich hat es auf seiner Homepage sogar ein Preisausschreiben gegeben. Keine Reise, auch kein Geld sollten die User anlocken, sondern ein Telefonat mit Maier. Die Dunkelziffer derer, die sich nun wegen Nichtteilnahme ärgern, wird man wohl nie erfahren. (pi/DER STANDARD; Printausgabe, 20.1.2003)

Foto: photodisc