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Bruck/Mur - Das steirische Hochtechnologieunternehmen Pankl Racing Systems AG bleibt bei Motorsportkomponenten, der Cashcow des Unternehmens, weiter auf Expansionskurs. Über die Hälfte aller Formel-1-Teams vertrauen auf Hightech made by Pankl. Wer genau, wird nicht verraten, dass auch Weltmeister Ferrari dabei ist, gilt in der Branche aber als offenes Geheimnis. Zudem ist man auch bei den US-Rennserien (Cart, IRL, Nascar) überdurchschnittlich stark vertreten.

Bei den Motorsystemen sei der Kurbeltrieb momentan die größte Herausforderung: Man biete Pleuel und Kolben nun bereits in Kombination an, Ende 2004 komme die Kurbelwelle dazu, so Finanzvorstand Ernst Wustinger im Gespräch mit dem STANDARD. Nächster Schritt sei die Entwicklung eines eigenen Formel-1-Getriebes, marktreif wohl in drei bis vier Jahren. Viele Autohersteller wollen sich von der britischen Dominanz lösen und sehen das Pankl-Vorhaben mit Wohlwollen. Acht Personen arbeitet am Aufbau des Know-how, 2002 wurden bereits 5,5 Mio. € in neue Maschinen investiert.

Stabiler Wachstumswert

Obwohl die besten Zeiten (1999, 2000) momentan vorbei sind, gilt das Unternehmen als stabiler Wachstumswert, sieben Prozent Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) sind ein vorzeigbarer Wert. Um auch der Aktie wieder zu Drive zu verhelfen, erwägt man einen Wechsel des Börsenplatzes. Auch die Sinnhaftigkeit des Doppellistings stehe zur Debatte, erläutert Wustinger.

Dazu kommt den Anlegern ein Fragebogen zu, der klären soll, wie es weitergeht. Bis zur Hauptversammlung am 28. Februar will man von den Investoren Klarheit, ob ein Wechsel gewünscht ist - und wohin. Zur Diskussion stehen die Deutsche Börse (Prime Segment) in Frankfurt, Nasdaq Europe beziehungsweise die avisierte Ausbaustufe Nasdaq Deutschland (Bremen), London Stock Exchange sowie die Wiener Börse.

Für Wien spräche der Trend, an jener Börse zu notieren, wo man zu Hause sei - der Ölfeld-Ausrüster Schoeller-Bleckmann und TopCall haben schon einen Wechsel angekündigt. Auch bei Pankl hätten heimische Investmentbanken signalisiert, dass man willkommen sei. Er wolle aber der Befragung nicht vorgreifen, relativiert Wustinger.

Problemkind Neuer Markt

Hintergrund für die Überlegungen sind die Auflösungserscheinungen am Neuen Markt in Frankfurt (Nemax), wo Pankl seit 1999 notiert. Parallel dazu ist das Unternehmen an der Nasdaq Europe in Brüssel geführt. Nun will man raus aus der Kapitalvernichtung, denn den Nemax-Crashkurs des Vorjahres haben die Steirer parallel mitvollzogen. Die Aktie entwickelte sich sogar schlechter als der Schnitt - wohl, weil das Großprojekt Dieselkonverter in einer Sackgasse zu münden droht.

2003 sei diesbezüglich entscheidend, so Wustinger. Das Unternehmen hat bisher rund drei Mio. € in die Entwicklung eines Systems gesteckt, das Ruß und andere Schadstoffe aus Nutzfahrzeug-Dieselabgasen herausfiltern sollte. Nun sucht man nach einem strategischen Partner. Vom Tisch sei jedenfalls der ursprünglich geplante Aufbau eines völlig neuen Geschäftsfelds.

Rüstungsboom

Damit konzentriert sich das Unternehmen, das global 456 Mitarbeiter beschäftigt (251 in Österreich), neben dem Motorsport auf den Um- und Ausbau des Aerospace-Bereichs. Auch hier sind die Aussichten heuer nicht ohne Risiken, Pankl kämpft mit Restrukturierung und US-Rüstungsboom gleichzeitig: 70 Prozent liege man beim Auftragsbestand über Vorjahr. Der Turnaround sollte gegen Jahresende geschafft sein.

Pankl liefert Hauptrotoren für Hubschrauber, Rohre für Luftbetankungssysteme, Landehaken für Flugzeugträger etc. und arbeitet eng mit Firmen wie Sikorsky (liefert Black Hawk für Bundesheer) und Boeing zusammen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 20.1.2003)