Stuttgart - Die Investmentbank Goldman Sachs soll nach dem Willen der großen fünf in der Formel 1 vertretenen Autohersteller eine Lösung für den lange schwelenden Streit um die Zukunft der Rennsportserie finden.

Die in der Holding GPWC zusammengeschlossenen Hersteller beauftragten Goldman Sachs auf einer Sitzung in Berlin, Verhandlungen mit dem derzeitigen Rechteinhaber der Formel 1, der Firma SLEC von Bernie Ecclestone, aufzunehmen. Dabei sollen die Investmentbanker so schnell wie möglich herausfinden, ob sich die Ziele der GPWC - eine direkte Gewinnbeteiligung an der Formel 1 - durch eine Transaktion mit den Aktionären der SLEC erreichen ließen.

Gleichzeitig wolle die GPWC ihren Plan einer neuen, konkurrierenden Serie vorantreiben, die nach dem Auslaufen der bisherigen Vereinbarung mit der SLEC spätestens 2008 starten soll, teilten die Autobauer weiter mit. Ziel sei eine deutliche Steigerung der Einnahmen der Formel-1-Teams.

Zwei von elf Teams war in der vergangenen Saison das Geld ausgegangen. 58 Prozent der von Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone gegründeten SLEC gehören derzeit den drei Gläubigerbanken der insolventen Kirch-Gruppe, Bayerische Landesbank, Lehman Brothers und JP Morgan. Sie wollen zumindest einen Teil dieses Paketes an die Hersteller verkaufen, die seit langem eine Beteiligung an der erfolgreichsten Autorennsportserie der Welt gefordert hatten.

Um den Zugriff auf weitere 17 Prozent streiten sich die Banken und der Münchner Rechtehändler EM.TV. Die übrigen 25 Prozent gehören Ecclestones Frau Slavica. Einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge haben Ford (Jaguar), DaimlerChrysler (McLaren-Mercedes), Ferrari, Renault und BMW (Williams) nach einem Plan von Goldman Sachs Abstand von ihrer Forderung genommen, an der SLEC beteiligt zu werden. Stattdessen solle die GPWC selbst zur neuen Formel-1-Holding werden, an der sich Ecclestone oder die SLEC beteiligen könnten.

Die Banken favorisieren dagegen ein Modell, nach dem die GPWC-Eigentümer 40 Prozent an der SLEC übernehmen sollen, die Banken wollen 45 Prozent behalten. Am Mittwoch hatte der Welt-Automobilverband für Aufruhr bei den Teams gesorgt, indem er bereits für die im März beginnende Saison drastische Sparmaßnahmen verhängt hatte. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 20.1.2003)