Wien - Schlechte US-Konjunkturdaten - vor allem das erneut gesunkene Vertrauen der US-Verbraucher - haben den internationalen Aktienmärkten zum Wochenschluss ein teils kräftiges Minus beschert. Ob sich die Stimmung der Marktteilnehmer in dieser Woche wieder etwas aufhellen kann, hängt vom Verlauf der Berichtsaison für das vierte Quartal ab.

Rund ein Fünftel der Firmen im S&P-500-Index haben bis jetzt ihre Zahlen vorgelegt, im Jahresvergleich wurden um fast zehn Prozent höhere Gewinne ausgewiesen. Die Ergebnisse lagen sogar über den - offenbar sehr vorsichtig angesetzten - Erwartungen der Analysten. Ob dieser Trend halten kann, wird allerdings erst diese Woche zeigen, wenn unter anderen sechs Schlüsselunternehmen ihre Zahlen herzeigen: Der zweitgrößte Autobauer Ford ist am Dienstag dran, seine Bilanz war nach der Firestone-Krise und einer massiven Lücke im Pensionsfonds verunziert. Investoren wollen jetzt wissen, ob Ford auf dem Weg zur Gesundheit ist und schließen daraus auf weite Teile der Zulieferindustrie und deren Zukunft.

Citigroup im Fokus

Die größte US-Bank Citigroup gibt ebenfalls am Dienstag Auskunft über ihr viertes Quartal. Investoren wollen jetzt den Beweis sehen, dass nach Skandalen wie Enron und Worldcom, Vertrauensverlust im Brokerage-Geschäft (Salomon Smith Barney) und einer Zahlung von 400 Mio. Dollar in einen 1,5 Mrd. Dollar schweren Topf gegen unlauteres Analystenverhalten der Fokus nun wieder auf die Geschäftsentwicklung gelegt wird. Citi gilt als Indikator für den Zustand des US-Bankenwesens. Dazu gehört auch das große Investmenthaus JP Morgan, das am Mittwoch Zahlen vorlegen soll. Das Haus war in Megapleiten wie Kmart und Global Crossing involviert und musste im Zuge der Argentinienkrise massive Verluste einstecken.

Branchenbarometer

JP Morgan hat rund 900 Mio. Dollar Zahlung infolge von Enron und von unlauteren Analystenempfehlungen zugesagt. Das Haus gilt als Barometer der Investmentbranche und ihren Problemen im Gefolge der langen Börsenbaisse. Am Dienstag wartet der Markt auch auf die Zahlen des Bürobedarferzeugers 3M. Bis jetzt hat 3M die Konjunkturflaute relativ gut überstanden. Die kommenden Zahlen werden als Indikator für den gesamten produzierenden Bereich und die Trends im Absatz gesehen.

Der Pharmakonzern Pfizer legt am Mittwoch Zahlen vor, die als Indikator für den Zustand der mit auslaufenden Patenten und der Konkurrenz der Generika konfrontierten Branche gilt. Zudem wollen Investoren wissen, ob die Pharmacia-Übernahme nun verkraftet wird. Am Donnerstag soll McDonald's zeigen, ob die Konsumenten noch bei Laune sind: Gehen erneut weniger zur Mutter des Fastfood, dann deutet Investoren das auf eine Verschlechterung der gesamten Konsumausgaben hin. (Karin Bauer/DER STANDARD Print-Ausgabe, 20.1.2003)