Wien - Überfliegen wird teurer. Mit Jahresbeginn haben die nationalen Flugsicherungsorganisationen der EU-Länder neue Gebühren festgelegt, die sie den Airlines für ihre Lotsendienste abverlangen. Für Österreich hat die Austro Control (AC) eine zweiprozentige Erhöhung der Streckengebühr festgelegt, erklärt Christoph Baubin, AC-Vorstandsvorsitzender, im STANDARD-Interview.

Ein Flug im österreichischen Luftraum koste demnach 72,27 Euro je hundert Kilometer für eine 50-Tonnen-Maschine. Das seien um zwei Prozent mehr, als der Überflug im Jahr 2002 gekostet habe. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten oder zu neuen Mitgliedern wie Tschechien, Slowenien oder Ungarn liegt Österreich bei den Gebühren damit im oberen Drittel (siehe Grafik). Nur einige wenige europäische Flugkontrollbehörden haben ihre Gebühren per Anfang 2003 gesenkt.

Senkung der Streckengebühren

Unverändert bleiben für heuer jene Gebühren, die die Airlines der AC für Anflüge auf und Abflüge von den österreichischen Flughäfen zu bezahlen sind. Diese Gebühren müssen aber noch vom Infrastrukturministerium bestätigt werden, räumt Baubin ein. Er hat ein gute Nachricht für die unter Kostendruck stehenden Luftfahrtunternehmen: 2004 werde eine Senkung der Streckengebühren angepeilt. "Die wird auch kommen", verspricht der Austro-Control-Chef.

Wesentlich sei dabei die Entwicklung der internen Kosten der jeweiligen nationalen Flugsicherungen und dem geschätzten Flugaufkommen. Auf dieser Basis würden die Gebühren errechnet. Seien sie zu hoch angesetzt, müssen die Flugsicherungsunternehmen Überschüsse an die Airlines zurückzahlen. Hätten sie die Abgabe zu niedrig angesetzt und damit ihre Kosten nicht gedeckt, müsse der Fehlbetrag im folgenden Jahr auf die Gebühr aufgeschlagen werden.

Im Falle der Austro Control sind in dieser Rechnung jede Menge Unwägbarkeiten enthalten: einerseits ein möglicher Irakkrieg. Brechen tatsächlich Kampfhandlungen aus, würde der Flugverkehr in den Nahen Osten massiv einbrechen. Ein Teil der Einnahmen ginge verloren. Auch die Austrian Airlines wären davon stark betroffen.

Dazu kommt: Baubin muss weiter Kosten reduzieren. Seit zwei Jahren wird heftig gespart. Die angepeilte Kostenreduktion von minus zehn Prozent in dem 1994 aus der Bundesverwaltung ausgegliederten Unternehmen habe man 2002 "nicht ganz geschafft", bedauert Baubin. Auch der Umsatz sei im Vorjahr um drei Prozent auf 181 Mio. Euro zurückgegangen.

Pensionenlasten

Das größte Problem des Unternehmens seien alte Personalverträge, in denen fixe Beiträge zur Pensionskassa vereinbart seien. Alleine im Vorjahr mussten zehn Mio. Euro dafür aufgebracht werden, 2003/04 seien Zuschüsse in ähnlicher Höhe erforderlich. Insgesamt hat sich der Gehaltsaufwand um drei Prozent reduziert, weil "der natürliche Abgang nicht ersetzt wurde", Überstunden wurden abgebaut. Bis 2007 sollen zehn Prozent weniger Mitarbeiter auf der Gehaltsliste zu finden sein. Das ist Teil des auf Jahre angelegten Sparprogramms. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 20.1.2003)