Auschnitt aus dem Vatikan, genauer Michelangelos "Die Erschaffung Adams". Ferrari-MitarbeiterInnen dürften sich von ihrer Firma ähnlich geeehrt fühlen, wie der eben Erschaffene.

montage: derstandard.at

Rom/Wien - Unterschiedlicher könnten die Branchen kaum sein. Eines haben sie jedenfalls gemeinsam: Es sind offenkundig weit über die reine Gage hinausgehende Vorzüge, die einen Sportwagenhersteller, einen Zementfabriken-Konzern und einen Modediskonter im europäischen Vergleich zu "Lieblingsarbeitgebern" machen.

Der italienische Sportwagenkonzern Ferrari, der schwedische Bekleidungskonzern H&M, der französische Zementhersteller Lafarge, der Schweizer Multi Nestlé, die Irland-Tochter des US-Chipherstellers Intel, der britische Getränkeriese Bacardi Martini, der deutsche Pharmakonzern Schering, der dänische Wasserpumpenhersteller Grundfos, die italienische Supermarktkette Unes und der baskische Mischkonzern Mondragon - sie alle sind nach einer jüngsten Bewertung des US-Magazins Fortune derzeit besonders beliebte Arbeitgeber in Europa.

Trotz der jüngsten Streiks wegen der akuten Krise im Mutterkonzern Fiat machen "Fringe Benefits", freundschaftliches Klima und hohe Motivation aus dem Sportwagenkonzern in Maranello einen "idealen" Arbeitsplatz für die 2500 Angestellten, heißt es in dem Magazin. Darüber hinaus werden die Beschäftigten bei Ferrari mit einem Fitnesszentrum, Café, jährlicher Ärztekontrolle und groß angelegten Weiterbildungsprogrammen verwöhnt.

"Wir arbeiten hier, als wären wir Angestellte im Vatikan", kommentierte der Manager Antonio Ghini.

Ferrari ist nicht der einzige italienische Konzern im Fortune-Ranking der europäischen Konzerne mit hervorragendem Betriebsklima. Auch in der italienischen Supermarktkette Unes ist das Arbeitsklima nachgerade paradiesisch. "Kunden, Kollegen und die eigene Arbeit lieben", lautet die Konzernphilosophie, die sich positiv im Geschäft auswirkt.

In wenigen Jahren konnte die Kette die Zahl ihrer Supermärkte von 60 auf 100 steigern, die einen Umsatz von 450 Mio. Euro erwirtschaften. "Cash" und andere wirtschaftlichen Vorteile sind den europäischen Arbeitnehmern zwar wichtig, aber nicht entscheidend, fanden die Forscher von Fortune bzw. dem "Great Places to Work for Institut San Francisco" heraus.

Wichtiges Kriterium für Mitarbeiter in Europa sei Gleichbehandlung der Mitarbeiter, wie etwa bei H&M, wo alle mit dem Vornamen angesprochen werden, sowie Internationalität. Ausschlaggebend sei, dass die Mitarbeiter angaben, ihre Arbeit einfach zu lieben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2003)