MBelgrad - Mit Milan Milutinovic (60) befindet sich seit Montag ein weiterer ehemaliger serbischer Präsident im Gefängnis des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien. Vor etwa eineinhalb Jahren war bereits der einstige jugoslawische und serbische Staatschef Slobodan Milosevic an das UNO-Tribunal überstellt worden. Im Unterschied zu Milosevic, der die Reise nach Den Haag mit Handschellen antreten musste, stellte sich Milutinovic freiwillig und flog mit einer Maschine der jugoslawischen Regierung zunächst nach Amsterdam.

Milutinovic war im Mai 1999 zusammen mit Milosevic sowie drei weiteren hohen jugoslawischen und serbischen Amtsträgern der Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt worden. Die Anklage bezog sich auch auf den föderalen Vizeministerpräsidenten Nikola Sainovic, den serbischen Innenminister Vlajko Stojiljkovic und den jugoslawischen Generalstabchef Dragoljub Ojdanic. Stojiljkovic hatte im April vergangenen Jahres Selbstmord begangen, Ojdanic und Sainovic stellten sich dem UNO-Tribunal. Reue

In einem kürzlich ausgestrahlten Interview für den staatlichen serbischen TV-Sender hatte Milutinovic tief den Tag bereut, als er im Dezember 1997 als Ersatzmann von Milosevic den Kampf um das Präsidentenamt in Serbien aufgenommen hatte. Zuvor hatte der frühere jugoslawische Staatschef Zoran Lilic gegen den Ultranationalistenführer Vojislav Seselj verloren, die Wahlergebnisse waren jedoch wegen einer vermeintlich zu niedrigen Wahlbeteiligung annulliert worden. Milutinovic sprang ein und wurde gewählt - angeblich dank zehntausender Albaner-Stimmen in der Westkosovoregion von Drenica, die bereits damals als eine Extremistenhochburg bekannt war.

Milutinovic wird vor dem UNO-Tribunal von drei Anwälten verteidigt werden: Dem Briten John Livingston sowie den Belgrader Anwälten und Familienfreunden Radoje Stefanovic und Miladin Papic. Auch wenn er noch vor einigen Monaten beteuerte, dass er sich nach dem Ablauf der Amtszeit dem Schreiben und Faulenzen widmen würde, sammelte er in den vergangenen Jahren laut Medienberichten fleißig Unterlagen, die ihn vor dem UNO-Tribunal entlasten sollen. Als Wegbegleiter von Milosevic dürfte Milutinovic für die Tribunalsanklage ein äußerst wichtiger Zeuge sein. Er selbst hatte eine solche Möglichkeit bis zuletzt entschlossen zurückgewiesen, könnte sie allerdings angesichts eines damit verbundenen Strafnachlasses erneut in Erwägung ziehen. (APA)