Wien - Eine neue Gedenktafel für den Mediziner Emil Zuckerkandl (1849-1910) wurde am Mittwoch im Hörsaal 1 des Anatomischen Instituts der Universität Wien präsentiert. Die kurz nach dem Tod des Anatomie-Professors aufgestellte alte Tafel war von den Nationalsozialisten abmontiert worden und gilt seither als verschollen.

Werdegang

Der 1849 in Raab (Györ) geborene Zuckerkandl studierte ab 1867 an der Universität Wien Medizin. 1870 ging er auf Empfehlung von Josef Hyrtl, der die Wiener anatomische Schule zu Spitzenleistungen führte, als Prosektor nach Amsterdam. 1873 kehrte Zuckerkandl nach Wien zurück und arbeitete als Assistent bei den Professoren Carl Rokitansky und Carl Langer an der Pathologischen-Anatomischen Anstalt. 1874 folgte seine Promotion, 1880 wurde er (auf Grund seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen ausnahmsweise ohne Habilitation) zum außerordentlichen Professor für Anatomie ernannt.

1882 wurde Zuckerkandl zum ordentlichen Professor für Anatomie an die Universität Graz berufen, sechs Jahre später übernahm er den Lehrstuhl für Anatomie an der Uni Wien. In den Jahren 1890 bis 1900 entstand Zuckerkandls fünfbändiges Hauptwerk "Atlas der topographischen Anatomie des Menschen". Spezialgebiete seiner Forschungen waren das Gehörorgan, die Nasenhöhle, die Zähne sowie das chromaffine Gewebe. Er entdeckte auch die nach ihm benannten Zuckerkandlschen Körperchen.

Sozial engagiert

Verheiratet war der Mediziner mit der Schriftstellerin und Journalistin Bertha Zuckerkandl-Szeps, einer der herausragenden Persönlichkeiten in der Wiener jüdischen Intellektuellenschicht. Das Haus der Zuckerkandls war Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde und wissenschaftlichen Elite. Gäste im Salon waren u. a. Gustav Klimt, Otto Wagner, Hermann Bahr, Arthur Schnitzler und Gustav Mahler, der seiner späteren Frau Alma dort begegnete. Darüber hinaus engagierte sich das Ehepaar auch sozial und unterstützte das "Wiener Volksbildungswerk".

Im Mai 1914 wurde zu Ehren Zuckerkandls im Anatomischen Institut eine von Anton Hanak und Josef Hoffmann gestaltete Gedenktafel enthüllt. Die Inschrift "Dem Lehrer Emil Zuckerkandl, die Schüler" wies auf Zuckerkandls besondere pädagogische Fähigkeiten hin - zu seinen Studenten zählte unter anderem auch sein Amtsnachfolger an der Universität, Julius Tandler. (APA)