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Wien - Das Internet-Portal sms.at, Tochter des österreichischen Telekomsoftware-Entwicklers Universal Communication Platform AG (ucp), hat im Geschäftsjahr 2002 einen Umsatz von 4,66 Mio. Euro und einen Gewinn nach Abschreibung (EBIT) von rund 728.000 Euro eingefahren. "Der radikale Schritt, als erstes Portal in Österreich Massendienste kostenpflichtig zu machen, hat sich gelohnt", erklärte Jürgen Pansy, technischer Geschäftsführer von sms.at, den Sprung in die schwarze Zahlen am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Erreicht worden sei dies vor allem durch die Umstellung des Gratis-SMS-Angebotes auf ein kostenpflichtiges Service. "Wir sind die einzigen, die sich das getraut haben, und die User sind bereit, dafür zu bezahlen," so Pansy. Die Internet-Reichweite sei dadurch allerdings von 41 auf 31 Prozent gesunken. Dennoch sei dies der richtige Schritt gewesen: "Wir mussten das Geschäftsmodell im Vorjahr ändern. Uns war klar, dass sich das sonst nicht rechnen würde", ergänzte Thomas Lang, kaufmännischer Geschäftsführer von sms.at. Knapp 100.000 User würden inzwischen für Web-SMS zahlen.

Steigende Mitarbeiterzahl

Für das Geschäftsjahr 2003 strebt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund zehn Prozent auf 5,1 Mio. Euro an. Das Ergebnis werde sich allerdings nicht maßgeblich verändern, sagte ucp-Gründer Christian Lutz. Die Mitarbeiterzahl soll von 15 auf 18 steigen, da man nun erstmals "ein echtes Marketingbudget" habe.

Ein weiterer Grund für die Einführung der kostenpflichtigen Angebote seien die gestiegenen Interconnection Fees, also Zusammenschaltungsgebühren, die von den Mobilfunkbetreibern verrechnet werden. "Die Einkaufspreise haben sich im vergangenen Jahr auf rund zehn Cent praktisch verdoppelt", so Lutz, der im Jahr 2001 vom österreichischen Konferenzveranstalter Business Circle zum eBusiness-Manager des Jahres gewählt wurde.

Gratis-SMS-Angebote als Marketing-Instrument zu teuer

Gratis-SMS-Angebote seien als reines Marketing-Instrument zu teuer und würden deshalb weiter zurückgehen, verwies Lutz auf die Einstellung des kostenlosen Internet-SMS-Dienstes des ORF vor wenigen Tagen. Zur Frage, ob in diese Richtung Druck ausgeübt worden sei, meinte Lutz: "Das ORF-Angebot war uns ein Dorn im Auge, da wir Kunden abgeben mussten. Natürlich haben wir das nicht gern gesehen."

Der SMS-Nachfolger MMS (Multimedia Message Service) werde kommerziell erst ab dem dritten oder vierten Quartal interessant. Noch sei die Penetration an MMS-Handys zu gering und weniger als 10.000 verschickte MMS pro Tag stünden sechs bis zehn Millionen SMS gegenüber. Mit der dritten Mobilfunktechnologie UMTS beschäftige man sich zur Zeit nur von der technischen Seite und von den über das Festnetz verschickten SMS habe das Unternehmen "noch gar nichts gemerkt", so Pansy.

Vier Erlösgruppen

Das Geschäftsmodell von sms.at baue nun auf vier Erlösgruppen auf: Der Bereich "Media Sales" beinhalte den Verkauf von Werbeleistungen, "Mobile Entertainment" umfasse den Vertrieb von Klingeltönen, Logos, Bildnachrichten, Voicebox-Sprüchen und Java-Spielen, die dritte Einheit widme sich den SMS-Abo-Services und dem Verkauf von SMS-Kontingenten an Endkunden und die jüngste Säule des Unternehmens umfasse die mobilen Premiumdienste.

ucp wurde im August 1999 von Christian Lutz (CEO) und Marwan Saba (CFO) gegründet und betreibt Büros in London, Berlin, Wien, Graz, Lauterach und dem Firmensitz Lugano. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 120 Personen in vier Ländern. ucp gehört zu 47,9 Prozent T-Mobile International, zu 10,7 Prozent dem Risikokapitalgeber march.fifteen, der Rest gehört Gründern und Mitarbeitern.(APA)