Geburtstage einer Website werden normalerweise eher selten gefeiert. Die Betreiber von www.homemoviecorner.com halten es anders und wünschen sich selbst per Presseaussendung zum ersten Jahrestag "Happy Birthday!". Grund ihrer Freude sind gezählte 13.333 Zugriffe von an Amateurfilmen interessierten Leuten, die dort Rezensionen von Werken mit ansonsten eher wenig Öffentlichkeit lesen können. Wöchentlich besprechen die eingeschworenen Cineasten Rodja-Ronald Pavlik, Daniel Ebner, Marcus Eberhardt und Joachim Traun ihnen zur Bewertung übermittelte Trashfilme, Splattermovies oder gar Musicals, und bieten wertvolle Infos für Indie-Filmemacher.

Auf die Idee, dass eine solche Einrichtung auf Bedarf stoßen könne, kam Initiator Pavlik, als er durch Zufall auf das Video "Faust - Der Musicalfilm" stieß. Dabei hatte ein Schüler sein selbst komponiertes Musical verfilmt. Immerhin hatte dieser 150 Darsteller und 14.500 Euro aufgetrieben, um sein ehrgeiziges Projekt zu realisieren. "Das hat mich wirklich beeindruckt", erzählt Pavlik der APA. "Bei weiteren Recherchen fand ich heraus, dass es kaum Plattformen für derartige Filme gab". In Kooperation mit der Filmzeitschrift "celluloid" entstand alsbald der HomeMovieCorner, und die erste Rezension kam dem deutschen SciFi-Streifen "Twinraiders" zugute. Der zeichnete sich durch extrem andere Produktionsverhältnisse als der "Faust" aus - vier Leute hatten ein Budget von 25 Euro.

"Ein interessantes Experiment

Zunächst hielt Pavlik selbst sein "Baby" für "ein interessantes Experiment, das vielleicht ein paar Monate lang laufen würde". Doch der anfängliche Mangel an eingereichten Filmen änderte sich rapid. Seither wurden im ursprünglich zweiwöchigen Rhythmus 35 Streifen besprochen (weitere zwanzig befinden sich in der Warteschleife), allerdings recht bald mit Hilfe neu dazu gekommener Mitarbeiter. Außer Kritiken, die auch auf Inhalt und Produktionsweise genau eingehen, bietet die Site jetzt auch ein viel frequentiertes "Schwarzes Brett" zur Kommunikation der Szene. Da kann man etwa lesen: "Hallo! Der neueste Film von JS-Movie "Bloody Dawn" ist fertig! Näheres über diesen Slasher gibts auf www.js-movie.de.vu".

Als nützlich und beliebt erwies sich auch das kommentierte Link-Verzeichnis, in dem sich die Adressen von Filmgruppen oder Festivals finden. Auch Tipps und Tricks zum Equipment oder für Special-Effects kann man hier nachlesen. Einzig das "Gästebuch" macht Pavik Sorgen: "Da ist nicht viel los". Aber das positive Feedback aus Filmschule Wien oder Filmakademie freut ihn dagegen sehr. Denn es kommt schließlich gar nicht selten vor, dass Studenten ihre Arbeiten gleich zur Rezension einsenden.

: "Wer etwa eine Homepage oder ein Making-Of beisteuert, wird besser bewertet"

Jedes Genre ist ebenso willkommen wie jedes mögliche Zusatz-Schmankerl: "Wer etwa eine Homepage oder ein Making-Of beisteuert, wird besser bewertet", meint Pavlik. Ein wichtiges Kriterium für eine positive Bewertung ist ein gutes Drehbuch. "Eine gute Geschichte rettet vieles, auch schlechte Technik". Ausgewählte Filme werden übrigens seit einem halben Jahr auch im Wiener Filmcasino präsentiert.(APA)