Warschau/Wien - Einer der spektakulärsten Mordfälle der vergangenen Jahre in Polen wird seit Montag vor dem Bezirksgericht Warschau verhandelt. Der ehemalige polnische Sportminister Jacek Debski war in der Nacht auf den 12. April 2001 vor dem etwas außerhalb der Hauptstadt gelegenen Restaurant "Cosa Nostra" erschossen worden. Seine letzte Begleiterin - eine 28-jährige Frau, die von den Behörden "Inka" genannt wird - muss sich nun wegen Beteiligung am Mord und illegalen Waffenbesitzes verantworten.

"Inka" hatte den Ex-Minister zu dem Lokal begleitet und soll dabei in telefonischem Kontakt mit dem angeblichen Hintermann und Auftraggeber der Bluttat, dem 58-jährigen Geschäftsmann Jeremiasz B., gestanden sein. Dieser gilt als führendes Mitglied der "Bande von Pruszkow", die als die größte polnische Mafiaorganisation angesehen wird. Via Mobiltelefon soll B. die junge Frau regelrecht "dirigiert" haben, so dass diese Debski ins Freie lockte, als ein gedungener Killer vor dem Restaurant eingetroffen war. Als der Ex-Minister mit "Inka" ein wenig die Weichsel entlang spazierte, wurde er hinterrücks erschossen.

"Inka" weist Vorwürfe zurück

Bereits am kommenden Donnerstag muss sich Jeremiasz B. wegen Anstiftung zum Mord und Beteiligung an einer kriminellen Organisation verantworten - allerdings vor einem Schwurgericht in Wien. Denn der mutmaßliche Mafia-Pate ist seit 1998 österreichischer Staatsbürger und war über Jahre hinweg gut bezahlter V-Mann der inzwischen aufgelösten Einsatzgruppe zur Bekämpfung der kriminellen Organisation (EDOK).

"Inka" wies in Warschau zu Beginn ihrer Verhandlung die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück und verlangte über ihre Anwälte einen Ausschluss der Öffentlichkeit, da sie um ihre Sicherheit fürchte. Der Mord an Debski, dem wiederholt Mafia-Kontakte nachgesagt worden waren, sollte den Ermittlungen zufolge die Beziehungen zwischen dem Ex-Politiker und seinen illegalen Geschäftsfreunden verschleiern. Der Ex-Minister soll angeblich Vorauszahlungen für ein Bauprojekt erhalten und fast 300.000 Euro unterschlagen haben - Geld, das der Mafia zugerechnet wurde.

Jener Mann, der den Mord ausgeführt haben dürfte, konnte übrigens ausgeforscht und festgenommen werden. Er ist jedoch nicht mehr am Leben. Der mutmaßliche Killer wurde im Juni 2002 tot in seiner Zelle in Warschau aufgefunden. Während es offiziell hieß, er habe sich erhängt, häuften sich bald Zweifel an der Selbstmord-Version. (APA/dpa)