Peking/Seoul - Chinesische Sicherheitsbehörden haben eine Massenflucht von nordkoreanischen Flüchtlingen mit Booten nach Südkorea und Japan vereitelt. Mindestens 48 Nordkoreaner und drei Fluchthelfer seien in der ostchinesischen Stadt Yantai (Provinz Shandong) festgenommen worden, berichtete die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) am Montag. Bei den Fluchthelfern handle es sich um zwei Südkoreaner und einen ethnisch-koreanischen Chinesen.

Nach anderen Informationen sollen sogar 80 Nordkoreaner die Flucht mit zwei Booten geplant haben. Nach Angaben der "Durihana Missions- Stiftung" in Seoul, die nordkoreanischen Flüchtlingen hilft, haben sich seit Mittwoch etwa 80 Flüchtlinge in Yantai versammelt. Zehn Nordkoreaner hätten sich der Festnahme am Samstag entziehen können. Wo sich die anderen rund 20 aufhielten, sei nicht bekannt. Organisationen in Südkorea und Japan hätten bei der Planung geholfen.

Unter den Nordkoreanern, die in Südkorea und Japan Asyl beantragen wollten, waren auch Familien mit Kindern, wie die Ärzteorganisation berichtete. Die Hilfsorganisation warnte, den Festgenommenen drohten strenge Verhöre durch chinesische Sicherheitsorgane und die zwangsweise Abschiebung nach Nordkorea, "wo ein düsteres Schicksal auf sie wartet".

Die Organisation forderte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR nachdrücklich auf, Zugang zu den Flüchtlingen zu verlangen und ihre Asylbegehren zu prüfen. Scharf verurteilte die Organisation die Unterdrückung der Flüchtlinge in China und ihre Abschiebung. Seit Anfang Dezember hätten die chinesischen Behörden in Zusammenarbeit mit nordkoreanischen Sicherheitsorganen im Grenzgebiet eine neue "Menschenjagd" gestartet.

Bis Mitte Jänner seien 3.200 Flüchtlinge über die Grenze nach Nordkorea abgeschoben worden. 1.300 weitere warteten in Lagern in Tumen und Longjing. In China leben nach Schätzungen 150.000 Nordkoreaner, die vor Hunger und Verfolgung über die Grenze geflüchtet sind. Peking erkennt sie nicht als Flüchtlinge an und schiebt sie nach Nordkorea ab, wo ihnen Haft und Folter drohen.

Durch Zuflucht in diplomatische Einrichtungen haben seit Frühjahr vergangenen Jahres rund 200 Flüchtlinge ihre Ausreise erzwungen. Wegen der deutlich verschärften Sicherheitsvorkehrungen um Botschaften haben Fluchthelfer schon länger von Plänen gesprochen, Flüchtlinge in einer spektakulären Aktion außer Landes zu bringen.(APA/dpa)