Wien - Die Idee des "Carsharing", des Autoteilens, komme ja "aus dem grünen Eck", sagt Günther Sieber, Alleinvorstand des Autohandelskonzerns Denzel, bei einer Pressekonferenz. "Aber die Sache ist nie zum Tragen gekommen, so etwas funktioniert nur mit einer wirtschaftlichen Einstellung, klaren Führungsstrukturen und viel elektronischem Aufwand." Der "Schwachsinn mit den Vienna-City-Bikes" habe dies bewiesen, so Sieber.

Und genau das habe man seit vier Jahren mit dem Aufbau von Denzeldrive-Carsharing geleistet. Seit eineinhalb Jahren werde auch Software verwendet, die das System - bis auf eine erste Registrierung in einem Kundencenter - vollelektronisch mit berührungsloser Kundenkarte als Schlüssel zu den Autos laufen lassen. Nun will Denzel die etablierten Autovermieter - Europcar, Sixt, Avis, Hertz - direkt angreifen. Binnen drei Jahren wollen Sieber und Denzeldrive-Geschäftsführer Wolfgang Bauer die Marktführerschaft in Österreich erringen - gerechnet zumindest nach den zur Verfügung stehenden Autos.

Heuer Breakeven

Denzeldrive stehe derzeit bei 700 Pkw und 50 Nutzfahrzeugen und sei damit die Nummer vier im Land, so Bauer. Bisher seien 13 Kundencenter und 180 Abgabe-und Abholplätze eingerichtet worden. In der Kartei seien die Daten von 11.000 Kunden gespeichert, 6200 davon seien regelmäßige Nutzer. Heuer soll Denzeldrive erstmals ausgeglichen bilanzieren.

Bauer will im Vergleich mit den klassischen Car-Rentals (auch Denzel hatte zuvor 15 Jahre lang mit Europcar kooperiert) vor allem durch zwei Argumente punkten: Die Mindestmietdauer eines Denzel-Carsharing-Autos sei eine Stunde, bei den Vermietern 24 Stunden. Man zahle nach Nutzungsdauer und nach gefahrenen Kilometern, der Treibstoff ist dabei inkludiert. Als Preisbeispiel führt Denzel an: Ein Renault Clio koste für einen Tag und 125 Kilometer bei einem der klassischen Vermieter 155 Euro, ein Hyundai Getz (gleiche Fahrzeuggröße wie Clio) bei Denzel dafür 67 Euro.

Man verrechnet 48 Euro Gebühr pro Jahr, kann man eine Netzkarte einiger lokaler Verkehrsbetriebe oder eine ÖBB-Vorteilscard vorweisen, wird diese niedriger. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 21.1.2003)