Mit der LCOS-Displaytechnologie will Philips am Trend zum Home-Cinema mitmischen.

Foto: Philips

Wien - Eine vom Wiener Standort des niederländischen Unterhaltungselektronikkonzerns Philips entwickelte neue Technologie soll weltweit bei großformatigen Displays von Fernsehern, PC-Monitoren und Videoprojektoren zum Einsatz kommen. Die LCOS (Liquid Crystal on Silicon, "Elkos" gesprochen) genannte Technologie wurde vor kurzem bei einem Großformat-TV-Gerät bei der Consumer Electronic Show in Las Vegas vorgestellt und soll demnächst am US-Markt erhältlich sein. In Österreich sollen Geräte auf LCOS-Basis erst gegen Jahresende in den Handel kommen.

Die von Philips entwickelte LCOS-Lichtmaschine besteht aus einem Chip, der das Bild erzeugt, sowie einer Lampe und drei rotierenden Prismen, um die drei Grundfarben auf die Glasscheibe des Monitors projizieren. Während bei LCD-Schirmen die Flüssigkristalle zwischen Glas eingebettet sind, werden sie bei LCOS auf der Siliziumoberfläche aufgetragen. Dadurch sind sie leichter und billiger zu fertigen als LCD-Schirme oder Plasmadisplays. LCOS kann entweder mithilfe der Projektion für sehr große Schirme eingesetzt werden, ist aber auch für sehr kleine Displays (etwa für Headsets) geeignet.

Das Philips-Projektorenwerk am Wienerberg wird künftig die LCOS-Module assemblieren und an die diversen Philips-TV-Werke weltweit liefern. Der Philips-Manager Harald Cihal erwartet, dass die Wiener Projektorenfertigung mit derzeit knapp 250 Beschäftigten dadurch stark anwachsen werde. Noch mehr freuen dürfte sich die Philips-Chipfabrik im deutschen Böblingen, die das hoch auflösende Chipset herstellen wird und deshalb Investitionen von 20 Mio. Euro zu erwarten hat.

Home-Cinema

Noch hält man sich bei Philips in Hinblick auf die Preise der neuen Monitore bedeckt. Sie sollen jedoch "massiv günstiger als Plasmageräte in gleicher Größe sein", erklärt Philips-Pressesprecherin Ingun Metelko zum STANDARD. Großformatige Plasmaschirme kosten derzeit zwischen 7000 und 10.000 Euro.

Beim starken Trend zum Home-Cinema werde man dank LCOS stark mitmischen. In Folge sollen auch großformatige PC-Monitore erzeugt werden. "Nur im kleinformatigen Fernsehbereich - 14 bis 17 Zoll - bleibt die Bildröhre die Technik mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis", sagt Cihal.

Bildqualität exzellent

Hingegen werde LCOS die klassische Bildröhre in großformatigen Geräten ab etwa 44 Zoll verdrängen. Die Röhrentechnologie hat den Nachteil, dass die Geräte eine entsprechende Tiefe brauchen, um die Bilder projizieren zu können, und dadurch immer klobiger werden. LCOS-Geräten mit 55 Zoll (140 cm) Diagonale haben hingegen nur 46 Zenti- meter Tiefe.

Wie der STANDARD bei einer Werksbesichtigung in Augenschein nehmen konnte, ist die Bildqualität der LCOS-Schirme sowohl bei Daten- als auch bei Videoinhalten exzellent. Das Bild ist flimmerfrei und scheinbar pixellos. Die Bildauflösung von 1280 x 768 Bildpunkten (ca. eine Million Pixel) ermöglicht den Einbau in Endgeräte für hoch auflösendes Fernsehen (HDTV). (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 21.1.2003)