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Jack Nicholson mit Siegerlächeln bei den Golden Globes.

Foto: APA/AFP/Hector Mata

Los Angeles - Zwei "beste Filme", ein "bester Regisseur", vier "beste Haupt-" und zwei "beste Nebendarsteller" (aus insgesamt vier Produktionen): Nach der in der Nacht auf Montag in Beverly Hills erfolgten Verleihung der Golden Globes ist das Rennen um den Oscar weiterhin offen. Und wieder einmal zeitigte die alte absurde Angewohnheit der "Auslandskritiker", die Kategorien "Drama" und "Comedy/ Musical" zu unterscheiden, fast heitere Resultate.

Erfreut, aber "beschämt" reagierte Jack Nicholson, der für Alexander Paynes Adaption von Louis Begleys Roman About Schmidt (ausgezeichnet auch für das "beste Drehbuch") bester Darsteller im "dramatischen" Fach wurde: "Ich dachte die ganze Zeit, wir machen da eine Komödie", bekannte der Superstar, der nun gute Chancen hat, bei der Oscar-Gala am 23. März zum insgesamt vierten Mal prämiert zu werden.

Entschieden "dramatisch" agierte hingegen Nicole Kidman als Dichterin Virginia Woolf in einer Hauptrolle von Stephen Daldrys Verfilmung von Michael Cunninghams Roman The Hours. In der Musicaladaption Chicago wurden wiederum Renée Zellweger und Richard Gere beste Hauptdarsteller - letzterer bekannte sichtlich enthusiastisch, dass er die Rolle eines intriganten Anwalts zuerst eigentlich ablehnen wollte.

Beste Nebendarsteller - da macht man bei den Globes wieder keine Unterschiede - sind Meryl Streep und Chris Cooper. Beide spielen in Spike Jonzes Farce Adaptation (die im Übrigen eine Weiterführung von Being John Malkovich darstellt).

Bleiben die Kategorien "Inszenierung" und "bester Film", in denen wohl am ehesten so etwas wie ein engerer Kreis an Oscar-Favoriten festzumachen wäre: Auffälligerweise tragen die hier prämierten Produktionen samt und sonders den Stempel des Independent-Studios Miramax, geführt von den Brüdern Bob und Harvey Weinstein.

Martin Scorsese wurde mit Gangs of New York bester Regisseur und hofft jetzt, dass man ihn beim Oscar endlich einmal nicht übergeht. Er wird demnächst übrigens auch mit dem selten vergebenen Lifetime Award des Verbandes der US-Regisseure ausgezeichnet werden. Beste Filme sind wiederum The Hours und Chicago, inszeniert von Rob Marshall, der übrigens 1993 in Wien den Kuss der Spinnenfrau choreografiert hatte.

Weitere Auszeichnungen: Der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar erhielt den Globe für Sprich mit ihr, den besten nicht englischsprachigen Film. Den besten Song schrieb und interpretierte die irische Rockgruppe U2 (The Hands that Built America, für Gangs of New York). In den TV-Kategorien kam u. a. Edie Falco (beste Darstellerin in The Sopranos), Jennifer Aniston (in Friends) oder Uma Thurman (in der Miniserie Hysterical Blindness) zum Zug.

Leer ausgegangen sind trotz mehrerer Nominierungen Steven Spielbergs Catch Me If You Can und Peter Jacksons Der Herr der Ringe: Die Gefährten. Letzterer wird als Mittelpunkt der erst Ende dieses Jahres fertig gestellten Trilogie wohl auch bei den Oscars lediglich in den "technischen" Kategorien (Spezialeffekte, etc.) seriöse Chancen haben. Dass aber im nächsten Jahr bei sämtlichen großen Preisverleihungen ein gigantisches Abräumen für Lord of the Rings stattfinden wird - davon kann man schon ausgehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2003)