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Foto: STANDARD/Archiv

Im Gegensatz zur "Kronen Zeitung", die den Konflikt auf den Seiten ihres Blattes beharrlich verschweigt, legte 50-Prozent-Eigentümer WAZ in der hauseigenen "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" die Karten unverhohlen auf den Tisch: "Die WAZ-Mediengruppe lehnt einen Verkauf ihres 50-Prozent-Anteils am Wiener Boulevardblatt "Neue Kronen Zeitung" ab", stand in der Freitagausgabe die Aussendung der Konzernführung zu lesen: "Herr Christoph Dichand ist völlig ungeeignet als Chefredakteur."

Wen die Essener Verlagsgruppe ihrerseits als Dichand-Nachfolger einsetzen will, darüber gibt es bislang bestenfalls Gerüchte. Etwa, dass die WAZ einen "pensionierten" Wolfgang Fellner für die Nachfolge von Dichand im Auge haben soll. Bestätigt wurde selbiges nicht, wiewohl vonseiten der Verlagsgruppe verlautbart wurde, dass "kein deutscher Journalist" zum Zug kommen solle.

Ungewöhnlich auskunftsfreudig gegenüber Medien gab sich vergangene Woche Seniorchef Dichand selbst. In verschiedenen Interviews - auch mit dem STANDARD - betonte er, dass sein Sohn als Chef der Wochenendbeilage "Krone Bunt" das Medienhandwerk sehr wohl beherrsche. In der Vergangenheit war allerdings von Beobachtern angeführt worden, dass es keinen bekannten Text von Dichand junior gebe, den dieser in einer Zeitung veröffentlicht habe.

In den Redaktionsräumen wird hingegen bereits eifrig über Kompetenzaufteilung nachgedacht: Für Coveranrisse und Headlines werde der neue Chefredakteur Christoph Dichand ab 1. Februar zuständig sein, hieß es. "Maßgebliche Vertreter der Redaktion" hätten der Ablöse bereits zugestimmt, schreibt die Onlineausgabe des Branchenblattes "Extradienst".

Amüsante Zeiten

Die internationale Presse nimmt ebenfalls regen Anteil an der Berichterstattung zum Streit Dichand - WAZ. Die "Financial Times Deutschland" berichtete etwa am Montag, dass in der WAZ von einem Einbruch der "Krone"-Rendite von über 20 Prozent auf einen niedrigen einstelligen Satz die Rede sei. Der "Tagesspiegel" zog am Sonntag gleich einen Vergleich mit der historischen Schlacht um Königgrätz. Die englische "Financial Times" sieht indes amüsanten Zeiten entgegen: "Hans Dichand ist es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Eine sich abzeichnende Schlacht mit der WAZ sollte sich daher als unterhaltsam erweisen." (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe vom 21.1.2003)