Bild nicht mehr verfügbar.

Bestattungs- unternehmen geben sich auch eine Schlacht um das Design. Hier ein "Sitz-Sarg", der nach dem Gemälde "Madame Recamier" von Jaques-Louis David (1800) angefertigt wurde, auf der St. Pöltener Bestattungsfachmesse "Devota 2001".

apa/mosoburger

Wien - Die "schöne Leich'" lassen sich die Wiener nicht nehmen. Und dass Neuerungsversuche am Friedhof sehr schnell am Volkszorn scheitern können, weiß man spätestens seit dem kläglichen Versuch, den "josephinischen Sparsarg" einzuführen - also den wiederverwendbaren mit der Klappe unten dran.

In etwas mehr als zwei Monaten aber findet beim Wiener Bestattungswesen die größte Neuerung seit langem statt. Eine Kulturrevolution in der morbid ästhetischen Wiener Bestattungstradition: Das Kärntner Bestattungsunternehmen Pax will Anfang April antreten, um das Monopol der Stadtwerke-Tochter Bestattung Wien zu brechen. Noch schöner wird "die Leich'" damit wohl nicht werden - aber in erster Linie billiger.

Zehn Prozent in fünf Jahren

Binnen fünf Jahren peilt das Unternehmen einen Marktanteil von rund zehn Prozent an - im Schnitt werden in Wien jährlich rund 15.000 bis 17.000 Beerdigungen durchgeführt. Pax ist derzeit bereits mit je einem Firmensitz in Klagenfurt und Graz tätig; in Wien soll die Zentrale selbstredend beim Zentralfriedhof sein. Die "Pax"-Beerdigungen sollen auf allen Wiener Friedhöfen angeboten werden.

Wie DER STANDARD bereits berichtete, hat die Bestattung Wien schon im Vorfeld auf die Liberalisierung des Bestattungswesens reagiert: So wird einerseits überlegt, neben dem klassischen Beerdigungssortiment auch ein Luxusangebot für betuchtere Klientel zu schaffen. Dass auch eine längere Aufbarungszeit als Angebot eingeführt wurde, sei allerdings nicht im Zusammengang mit der Liberalisierung zu sehen, wurde seitens der Bestattung Wien betont. Die so genannte erweiterte Verabschiedung kostet pauschal 500 Euro. Eine Erdbestattung kostet derzeit rund 3412 Euro, eine Feuerbestattung 2608 Euro.

Dass es die private Konkurrenz in Wien nicht leicht haben wird, ist Insidern schon jetzt klar: Derzeit läuft die Übergabe der "Kundschaft" jedenfalls wie am Schnürchen. Vom amtlichen Melden der Verstorbenen zum Vertreter der Bestattung Wien - meist im selben Haus. (frei/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.03)