Der Machtkampf um den Vorsitz im Aufsichtsrat des Mobilfunkanbieters MobilCom geht auch eine Woche vor der mit Spannung erwarteten außerordentlichen Hauptversammlung weiter.

Verpasst

Am Montag verpasste der frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel auch im dritten Anlauf die erforderliche Mehrheit, um als Aufsichtschef gewählt zu werden. Gegen ihn trat nach Angaben aus Kreisen des Kontrollgremiums bei einer Abstimmung der frühere Chef des Mobilfunkdienstleisters Debitel, Joachim Dreyer, an, der als Vertrauensmann von Mobilcom -Gründer Gerhard Schmid gilt. Auch Dreyer konnte sich nicht durchsetzen. Schmid forderte Vogel nach dessen erneuten Abstimmungsniederlage auf, Platz für einen anderen Kandidaten zu machen. Der früherer Mobilcom-Chef warf Vogel zudem vor, sein Konzept sei auf die Zerschlagung von Mobilcom gerichtet.

Der Aufsichtsrat bestellte den bisherigen Vertriebsleiter der Konzerns, Michael Grodd, zum Vorstandsmitglied. Mit ihm erhält Vorstandschef Thorsten Grenz einen Vertriebsmann an die Seite gestellt. Grodds Aufgaben werden darin bestehen, das Kerngeschäft Wiederverkauf von Mobilfunkverträgen anderer Anbieter weiter zu stärken, damit Mobilcom im ersten Halbjahr 2003 in die Gewinnzone zurückkehren kann.

Bei diversen Banken verpfändet

Die Hauptversammlung soll am kommenden Montag über die von Vogel ausgehandelte Vereinbarung zwischen den Banken und France Telecomabstimmen, durch die die Ende vergangenes Jahr drohende Insolvenz von Mobilcom abgewendet worden war. Vogel genießt das Vertrauen sowohl des mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligten französischen Großaktionärs als auch der Bundesregierung, die für einen Großteil der von Banken gewährten Sanierungskredite für Mobilcom bürgt. Eine der zentralen Bedingungen für den Vergleich war, dass Schmid und seine Ehefrau ihre Mobilcom-Anteile von zusammen 42 Prozent an Ex-RTL -Chef Helmut Thoma als Treuhänder überschrieben. Zuletzt hatte Schmid versucht, seine Anteile an den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert zu übertragen. Ein Großteil der Papiere ist Schmid zufolge bei diversen Banken verpfändet.

Schmid sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einer Pattsituation im Aufsichtsrat. Vogel habe zumindest die Kapitalvertreter in dem Gremium "nicht von dem auf eine Liquidation des Unternehmens ausgerichteten Konzept überzeugen" können. Er solle deshalb den Platz frei machen für eine unbelastete Person, sagte Schmid. Mobilcom solle "unbelastet von Machtkämpfen" eine neue Zukunft erhalten. Weder von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat noch von dem Unternehmen selbst war zunächst eine Stellungnahme zu erhalten.

Weniger

Schmid widersprach der Darstellung in Medienberichten, wonach sich seine Schulden auf rund 300 Millionen Euro belaufen sollen. Es sei "weitaus weniger", sagte der Mobilcom-Gründer, ohne allerdings detaillierte Angaben zur exakten Höhe zu machen. (Reuters)