Wien - Risiko und Kosten eines Irak-Krieges stehen nach Auffassung des ehemaligen Generalsekretärs des Außenministeriums, Botschafter Albert Rohan, in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen. "Dies sollten die maßgeblichen Politiker in den westlichen Hauptstädten bei ihrer Entscheidung berücksichtigen", schreibt der österreichische Spitzendiplomat in einem Beitrag für die Tageszeitung "Die Presse". "Trotz der von den US-Militärs an den Tag gelegten Zuversicht wäre der Verlauf der Feindseligkeiten unvorhersehbar. Einem ins Eck getriebenen Saddam Hussein ist es durchaus zuzutrauen, dass er chemische und biologische Waffen zum Einsatz bringt, falls er über solche verfügt. Ist dies nicht der Fall, hat sich der Krieg restlos als unbegründet erwiesen."

"Alle Anzeichen lassen einen baldigen Beginn der Kampfhandlungen erwarten", stellt Rohan fest. Das Auffinden versteckter Waffen durch die UNO-Inspektoren im Irak sei nicht zwingend erforderlich, würde aber die Verabschiedung einer zweiten Resolution im Weltsicherheitsrat erleichtern, welche von den meisten EU-Staaten als Voraussetzung für ein militärisches Vorgehen angesehen wird. "Für die wenigsten ist es glaubhaft, dass Saddam Hussein angesichts der militärischen und wirtschaftlichen Schwäche seines Landes tatsächlich eine ernsthafte Sicherheitsgefahr darstellt. Ebenso wenig liegen konkrete Hinweise für seine Verwicklung in die Terrorangriffe des 11. September (2001) vor."

"Um den Erwerb oder die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen durch Iraks Diktator zu verhindern und seine Gefährlichkeit dadurch in Grenzen zu halten, würde ein robustes Inspektionsregime mit konkreten Sanktionsdrohungen wohl genügen. Dadurch könnte ein Waffengang vermieden werden; das erklärte Ziel der USA, einen Wechsel in Bagdad herbeizuführen, wäre damit nicht erreicht", schreibt Botschafter Rohan. Im Falle eines Krieges sei jedoch mit "fürchterlichen Folgen" zu rechnen, zu denen die negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und eine radikale Zunahme der antiwestlichen Stimmung in der Region hinzukommen würden, "welche einen Zustrom neuer Kräfte für den internationalen Terrorismus zur Folge hätte." (APA)