Jerusalem - Israel hält eine Verständigung zwischen den verschiedenen palästinensischen Fraktionen auf ein Ende der antiisraelischen Gewalt für ausgeschlossen. Weder die radikalen islamischen Organisationen Hamas und "Islamischer Heiliger Krieg" noch Präsident Yasser Arafat seien dazu bereit, zitierte der israelische Rundfunk am Montagabend Militärgeheimdienstchef Aharon Zeevi. In Kairo sollen Vertreter verschiedener palästinensischer Gruppen am Mittwoch ihre Gespräche über einen Stopp von Anschlägen auf israelische Zivilisten wieder aufnehmen. Ägyptens Präsident Hosni Mubarak hatte in der vergangenen Woche von "Fortschritten" gesprochen.

Die vom ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman vorschlagene Waffenruhe sieht vor, dass zunächst für die Dauer eines Jahres keine Selbstmordattentate gegen Zivilisten in Israel verübt werden. Die Fatah-Bewegung Arafats hat den ägyptischen Vorschlag akzeptiert. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin hat dagegen ein Ende der Selbstmordanschläge kategorisch ausgeschlossen. Die Einstellung der "Märtyrer-Aktionen" würde lediglich der "zionistischen Rechten" nützen, erklärte er. "Der Terrorist (Israels Premier Ariel) Sharon könnte dann vor den Wahlen behaupten, es wäre ihm gelungen, die Sicherheit seiner Wähler zu gewährleisten", sagte Yassin. In Israel wird am 28. Jänner ein neues Parlament gewählt.

Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") ist ein deklarierter Gegner des Oslo-Friedensprozesses und steht außerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation. Die Gruppe wurde in den achtziger Jahren von Scheich Yassin in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, die auf diese Weise Arafat schwächen wollten. Der militärische Hamas-Flügel "Brigaden Ezzedin el Kassam" hat sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen bekannt.

Die Machtfülle des palästinensischen Präsidenten soll künftig massiv beschnitten werden. Dies sieht ein Verfassungsentwurf vor, den die palästinensische Tageszeitung "Al Ayam" am Montag in Auszügen veröffentlichte. Die Regierungsgewalt wäre großteils in den Händen eines Premierminister konzentriert. Die ursprünglich für den 20. Jänner angesetzt gewesenen Parlaments- und Präsidentenwahlen im Westjordanland und im Gaza-Streifen sind wegen Undurchführbarkeit auf unbestimmte Zeit verschoben worden.(APA)