Athen/Bagdad - Die UNO-Waffenkontrollen im Irak sind nach Auffassung von Chefinspektor Hans Blix und IAEO-Chef Mohammed el Baradei erst "auf halber Strecke" angelangt. Eine Woche vor der geplanten Präsentation des Inspektionsberichts vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York betonte Blix am Montagabend in Athen, dass es "noch nicht genügend Beweise" gebe, "um den Rat darüber zu informieren, dass wir das Kapitel schließen können". Wichtig sei, dass die Inspektionen derzeit "mächtiger und mit größerer Ausdehnung als in der Vergangenheit" vonstatten gingen. "Wir werden dem Sicherheitsrat berichten, dass die Inspektionen auf halber Strecke angelangt sind", sagte Baradei.

Der IAEO-Chef hat sich zugleich optimistisch darüber geäußert, dass ein Krieg gegen den Irak noch abgewendet werden kann. Es gebe aber noch nicht genügend Beweise dafür, dass der Irak wirklich kooperiere. "Wir brauchen mehr Zeit", sagte Baradei nach einem Treffen mit dem griechischen Außenminister und EU-Ratsvorsitzenden Georgios Papandreou.

Die irakische Führung forderte die Inspektoren unterdessen zu "Aufrichtigkeit und Professionalität" in dem Kontrollbericht auf. Blix stehe "im Dienste des Sicherheitsrats und nicht einer anderen Macht", sagte Präsidentenberater Amer el Saadi in Bagdad unter Anspielung auf die USA. Die von der UNO beanstandeten Unklarheiten in der irakischen Rüstungsdeklaration spielte Saadi herunter: "Die offenen Fragen sind weniger zahlreich als diejenigen, bei denen wir Einigkeit erzielt haben."

Saadi machte klar, dass die Führung in Bagdad irakische Wissenschaftler zur Zusammenarbeit mit den Kontrolloren auffordere, aber nicht zwingen könne: "Sie haben das Recht, Nein zu sagen." Am Montag war ein Zehn-Punkte-Abkommen zwischen dem Irak und der UNO veröffentlicht worden, dass den Inspektoren laut Blix Zugang zu allen verdächtigen Stätten gewährt, auch zu privaten Wohnungen. Irakische Wissenschaftler sollen ausdrücklich aufgefordert werden, den UNO-Kontrolloren Auskunft zu geben.

"Private Interviews" sollten vorangetrieben werden, sagte Saadi, was als Hinweis auf Gespräche zwischen Wissenschaftlern und UNO-Inspektoren in Abwesenheit irakischer Regierungsvertreter verstanden werden könnte. In der vergangenen Woche waren leere Gefechtsköpfe für chemische Kampfstoffe gefunden worden, die der Irak nicht deklariert hatte. Blix sagte, grundlegende Fragen wie zu den Themen Milzbrand, VX-Nervengas und Scud-Raketen würden später beraten. Er war nach Athen gereist, um die griechische EU-Ratspräsidentschaft über die Beratungen, die er zusammen mit dem IAEO-Chef in Bagdad geführt hatte, zu informieren.(APA/dpa/Reuters)