Nikosia - Die politischen Führer der griechischen und der türkischen Volksgruppe Zyperns haben ihre Gespräche über die Wiedervereinigung der seit nahezu drei Jahrzehnten geteilten Mittelmeerinsel beschleunigt. Der zypriotische Präsident Glafcos Clerides (83) als Repräsentant der griechischen Mehrheitsbevölkerung und der türkische Volksgruppenführer Rauf Denktas (79) kamen am Montag zu einer neuen Serie intensiver Verhandlungen zusammen, die an drei Tagen der Woche fortgesetzt werden sollen. Die nächste Runde findet Mittwoch statt.

UNO-Sondervermittler Alvaro de Soto äußerte sich optimistisch über den Verlauf der Gespräche auf der Basis des Wiedervereinigungsplanes von UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union dringen auf eine Lösung des Zypern-Problems bis zum 28. Februar. Zypern soll am 1. Mai 2004 Mitglied der EU werden. Denktas ist massiv unter Druck geraten, den Wiedervereinigungsplan der Vereinten Nationen anzunehmen. Bis zu 70.000 türkische Zyprioten hatten in der vergangenen Woche in Lefkosa, dem türkischen Sektor der Hauptstadt, für die Wiedervereinigung und den Beitritt zur EU demonstriert und den Rücktritt von Denktas gefordert.

Der Annan-Plan sieht einen Bundesstaat Zypern mit ungeteilter Souveränität aus zwei gleichberechtigten Gebietseinheiten für die griechische und die türkische Volksgruppe vor, die wie die Schweizer Kantone ihre eigenen Regierungen haben sollen. Die türkischen Zyprioten müssen ihre Forderung nach Zweistaatlichkeit aufgeben. De Soto hatte erklärt, Clerides und Denktas hätten nur "die Wahl wischen diesem Plan und gar keinem".(APA)