Prag - Gewinnt Zeman und sein Flügel in der CSSD die Präsidentenwahlen, eskaliert die Situation. Das sagte der tschechische Politikwissenschafter Michal Klima gestern, Montag, gegenüber der Prager Nachrichtenagentur CTK. Klima geht damit auf den innerhalb der Sozialdemokraten (CSSD) herrschenden Konflikt ein. Die CSSD ist in Befürworter und Gegner des ehemaligen Ministerpräsidenten Milos Zeman gespalten.

Gewinnt Zeman, würden seine Anhänger bei der CSSD-Konferenz im März ihre Stärke zeigen wollen. "Selbst wenn sie eventuell Spidla ermöglichen, Partei-Vorsitzender zu bleiben, so wäre dieser Vorsitz nur auf dem Papier und er hätte seine Hände niemals frei", sagte Klima. Nur wenn Zeman bei der zweiten Präsidentenwahl am kommenden Freitag scheiterte, würde dies die Situation innerhalb der CSSD beruhigen. Zeman gilt als parteiinterner Widersacher von Regierungs- und Parteichef Vladimir Spidla.

Klima schätzt die Chancen, dass aus der zweiten Wahl ein Präsident hervortritt, mit 50:50 ein. Für einen weiteren Politikwissenschafter, Daniel Kunstat, ist die wahrscheinlichste Variante, dass bei den Wahlen am Freitag wieder kein Nachfolger von Vaclav Havel gefunden wird. "Wenn es sich herausstellt, dass Zeman für die anderen Parlamentsparteien nicht akzeptabel ist, wird dies als Katharsis für die CSSD dienen", sagte Kunstat zur CTK.

Dann würden die Sozialdemokraten den Ombudsmann Otakar Motejl für die dritte Wahl nominieren können. Motejl sei ein Kandidat, der auch von den Regierungskoalitionspartnern der CSSD - den Christdemokraten (KDU-CSL) und der rechtsliberalen Freiheitsunion (US-DEU) - angenommen werde. Die Wahl Motejls könne auf Basis eines parteiinternen Referendums erfolgen, meint Kunstat.(APA/CTK)