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Wien - Ohne größere Störungen ist die Betriebsversammlung der Piloten und Flugbegleiter der heimischen Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA/OS) Dienstagmittag zu Ende gegangen. "Wir sind nicht streikgeil", versicherte der Vorsitzende des AUA-Betriebsrats Bord (BRB), Rudolf Novak, nach der Sitzung . Doch die AUA-Spitze habe der Belegschaft mit der Aufkündigung der Betriebsvereinbarung C-33 zu Jahresende "den Krieg erklärt". Eine Rücknahme der Streikdrohung, wie vom Vorstand verlangt, wäre daher "skurril", sagte Novak. Die Stimmung in der Belegschaft beschrieb er als "sehr heiß", die Leute seien "verärgert und zu allem bereit". Die mehr als 500 Teilnehmer an der Betriebsversammlung am Flughafen Wien/Schwechat haben ein Aktionskomitee mit 150 freiwilligen Teilnehmern eingesetzt, das weitere Maßnahmen vorbereiten soll. Die 16 Mitglieder des Betriebsrats bilden zusammen mit Gewerkschaftsvertretern ein Streikkomitee.

Konkrete Maßnahmen "ad hoc"

Mit konkreten Maßnahmen sei "ad hoc" zu rechnen, kündigte Novak an. So etwa könnte es ab sofort zu "Dienst nach Vorschrift" kommen, was freilich in der Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters liege. Damit könnte es zu Verspätungen und schlimmstenfalls auch zu Ausfällen kommen. Einen Zeitplan wollte Novak nicht nennen, um nicht auf "Überraschungseffekte" zu verzichten. Einen Streik noch im Jänner schloss Novak zwar aus, aber "der Vorstand muss auf alles gefasst sein".

"C33"

Die Vereinbarung C-33 garantierte dem fliegenden AUA-Personal - aktuell 482 Piloten und 1.340 Flugbegleitern - einen fixen Anteil von 43 Prozent der Einsatzzeit innerhalb der Austrian Airlines-Gruppe. Ihr Wegfall ermöglicht den Einsatz - deutlich günstigerer - Mitarbeiter der Tochtergesellschaften Tyrolean Airways und Lauda Air. Außerdem könnte das Unternehmen im Zug der EU-Erweiterung bereits ab Mitte 2004 nach Gründung einer Tochter in Osteuropa billigeres Personal beschäftigen.

AUA lässt Kosten prüfen

AUA-Sprecher Johannes Davoras kündigte unterdessen eine Prüfung des durch die Betriebsversammlung entstandenen Schadens an. Wem diese Kosten dann angelastet werden sollen, ließ der Sprecher jedoch offen. Bilanz der "Betriebsstörung" zwischen 9 und 12.30 Uhr aus Sicht der AUA: Eine Rotation nach Ankara wurde storniert, 139 Personen haben Anschlussflüge versäumt, acht AUA-Flüge waren zwischen 25 Minuten und zweieinhalb Stunden verspätet, der Flug Wien-Düsseldorf wurde ersatzweise mit einer Crew der Lauda Air bestritten. Die Maßnahmen des Betriebsrats Bord seien für das Unternehmen "unverständlich und unsympathisch gegenüber Kunden, Eigentümern und auch einer Mehrheit der Kollegen", sagte Davoras weiter.

"Ball liegt beim Vorstand"

Obwohl beide Seiten gegenüber den Medien laufend ihre Gesprächsbereitschaft bekunden, sind weitere direkte Gespräche vorerst offenbar nicht geplant. "Der Ball liegt beim Vorstand", meinen die Belegschaftsvertreter. Turnusmäßig steht in den ersten Februartagen eine Unterredung zwischen Betriebsrat und Vorstand auf dem Programm. Das letzte Treffen dieser Art war geplatzt, da die Belegschaftsvertreter am vereinbarten Termin 8. Jänner bei einer Klausurtagung ihr weiteres Vorgehen absprachen. (APA)