Hans Dichand: Schumann will "die Leitung der Redaktion an sich bringen"

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Bei der deutschen WAZ-Gruppe, zu 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" beteiligt, will man sich endgültig von "Krone"-Gründer und Hälfteeigner Hans Dichand als Zeitungschef verabschieden. "Wir sind der Meinung, dass in den Führungspositionen seine Zeit abgelaufen ist", sagte WAZ-Manager Erich Schumann am Montagabend im "Zeit im Bild 2"-Interview. Dichand konterte in der ZiB 2, dass die WAZ "die Redaktion in die Hand nehmen wolle".

Scharfe Kritik

Schumann übte scharfe Kritik an der Führung der "Kronen Zeitung": Diese sei alles andere als ein "Diamant" im WAZ-Portfolio, "weil sie im Augenblick zu den schlechtest verdienenden Zeitungen im Konzern gehört". Die Zeitung werde schlecht geführt, "und dafür ist Herr Dichand verantwortlich". Dichand kümmere sich "offensichtlich wenig darum", da er ohnehin einen Vorweggewinn ausbezahlt bekomme. Dichands Zeit sei "abgelaufen", "nicht nur weil er 82 Jahre als ist, sondern weil wir der Meinung sind, dass er die Zeitung nicht gut geführt hat".

Er sei sicher, dass auch die Belegschaft wisse, "dass Dichand endlich ist, und dass es dann eine andere Führungslösung geben muss - eine österreichische." Dichands Sohn Christoph komme dafür aber nicht in Frage, bekräftigte Schumann. "Jeder muss wissen, dass er zwar sich Chefredakteur nennen kann, aber nicht die Befugnis hat, als Chefredakteur aufzutreten."

"Großsprecherei"

Dass Dichand die WAZ-Anteile der "Krone" eigenen Worten zufolge "sofort" zurückkaufen würde, bezeichnete Schumann als "Großsprecherei". "Er hat das Geld nicht, er bekommt das Geld mit Sicherheit auch nicht von irgendeinem Kapitalinvestor." Umgekehrt aber würde die WAZ den Dichands "Krone"-Hälfte übernehmen, aber "sofort an einen österreichischen Partner weiter geben". Die WAZ wolle ihre Position jedenfalls durchfechten: "Entweder kommt ein Konsens zustande und Herr Dichand wird vernünftig - oder es muss anderweitig entschieden werden".

Dichand aber hat "keine Lust, aufzuhören", betonte er am Montagabend. "Ich bin endlich - ist er nicht endlich, muss ich da fragen?" Seinen Worten zufolge tobt der Konflikt vor allem zwischen Schumann und Dichand: "Es ist nicht die WAZ-Gruppe, es ist der Herr Schumann, um den es geht." Schumann wolle "die Leitung der Redaktion an sich bringen" und habe angeboten, dass Dichand junior Chefredakteur werden könne, wenn nur der Senior als Hauptgeschäftsführer zurücktrete. "Denn es ist klar, als Hauptgeschäftsführer habe ich in der Redaktion das Sagen."

"Rentabelste Zeitung im Konzern"

Die "Krone" sei jedenfalls die "rentabelste Zeitung im ganzen Konzern." Den Reingewinn werde er, Dichand, gerne offen legen, wenn ihn Schumann dazu ermächtige - dies sei nämlich ein Geschäftsgeheimnis. Die WAZ-Anteile wolle er gar nicht zurückkaufen, jedenfalls aber seine Ansprüche vor Gericht durchsetzen. "Ich bin zuversichtlich, dass es nach den Verträgen geht. Und die sind durchsetzbar bei Gericht - das meine ich, daran glaube ich und daran arbeite ich." Nachsatz: "Es ist für das ganze Land wichtig, dass wir nicht in die Hände eines Konzerns kommen, sondern eine österreichische Zeitung bleiben." (APA)