Der Chiphersteller Infineon sieht nach dem Rekordverlust im Vorjahr die Gewinnzone für 2003 wieder in Reichweite. Bei stabilen Preisen schreibe der Konzern schon im laufenden zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2003 schwarze Zahlen, sagte Firmenchef Ulrich Schumacher bei der Hauptversammlung am Dienstag in München: "Ich denke, dass wir in den nächsten zwei bis drei Quartalen die Talsohle endgültig durchschritten haben werden." Dies gelte auch für den Fall weiterer Preisschwankungen. Im Auftaktquartal 2003 sanken die Verluste bereits deutlich.

Aktionäre werden ungeduldig

Die Aktionäre warten unterdessen nach zwei Krisenjahren mit Milliardenverlusten ungeduldig auf schwarze Zahlen. Infineon müsse endlich wieder Geld verdienen, wurde mehrfach gefordert. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte: "Drei Jahre Verluste sind die klare Grenze." Bergdolt kritisierte, Infineon habe mittlerweile nicht nur Schwierigkeiten auf dem krisengeschüttelten Halbleitermarkt, sondern auch ein Vertrauensproblem. Darauf deute auch Schumachers "Ausblick in Moll" für 2003 hin.

"Vorsichtiger Optimismus"

Der Infineon-Chef blickt nach eigenen Worten mit vorsichtigem Optimismus in das laufende Geschäftsjahr, das im September 2003 endet. Die anhaltende Flaute sei ein günstiger Zeitpunkt, um mehr Kunden und mehr Marktanteile zu gewinnen. Die meisten Konkurrenten würden jetzt nachhaltig geschwächt. Infineon könne sich als neuer Lieferant mit innovativen Produkten und niedrigen Kosten positionieren, sagte der Vorstandsvorsitzende. "Was wir jetzt an Aufträgen gewinnen, davon werden wir dann in guten Zeiten profitieren."

Unter die Top vier

Infineon will in den nächsten fünf Jahren unter die Top vier der Branche aufsteigen, die derzeit von Intel, Samsung, ST Microelectronics und Texas Instruments dominiert wird. Schumacher setzt auf neue Partnerschaften, um milliardenschwere Investitionen "auf mehrere Schultern zu verteilen". Chancen böten vor allem die Wachstumsmärkte China, USA und Japan. Zuversichtlichen stimmten den Infineon-Chef auch Studien, wonach der weltweite Halbleitermarkt 2003 um zwölf bis zwanzig Prozent zulegen wird.

Alle Geschäftsbereiche

Schumacher betonte, der Konzern halte an allen Geschäftsbereichen fest, darunter auch das hart umkämpfte Segment mit Speicherchips. Die Sparte hatte in der Vergangenheit rund zwei Drittel der Gesamtverluste verursacht und war erst zum Auftakt des Fiskaljahrs 2003 knapp in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Infineon-Chef sagte, alle Geschäftsfelder seien mittlerweile auf dem Vormarsch. Im ersten Quartal 2003 konnte Infineon durch weitere Kostensenkungen den Nettoverlust überraschend auf 40 Mio. Euro drücken.

Im Geschäftsjahr 2002 hatte Infineon einen Rekordverlust verbucht: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 1,14 Mrd. Euro im Minus, nach 1,02 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Nettoverlust schnellte von 591 Mio. Euro auf 1,02 Mrd. Euro nach oben. Der Umsatz sackte 2002 um acht Prozent auf 5,21 Mrd. Euro ab. Am stärksten brach das Geschäft nach Firmenangaben in Deutschland ein.

Bergdolt von der DSW stellte Schumacher "ein Armutszeugnis" für das Jahr 2002 aus. Der Aktienkurs habe "neue Tiefstände getestet" und im Jahresverlauf um 69 Prozent nachgegeben. Schumacher bedauerte dies als enttäuschend für alle Beteiligten.(APA/AP)