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Nur männliche Köpfe wie hier der von Karl Popper? Oder könnte die verhüllte Büste eine Frau sein?
APA/Roland Schlager

Wien - "Heute würde sich niemand mehr trauen, keine internationalen Experten in einen Universitätsrat hineinzunehmen. Aber das Kriterium Geschlecht hat offensichtlich noch immer nicht den gleichen Stellenwert." Ada Pellert, Vizerektorin der Universität Graz und für die Bereiche Lehre, Personalentwicklung und Frauenförderung zuständig, "hat es sehr betrüblich gestimmt", als sie erfahren hat, dass der Grazer Gründungskonvent (als einer von mehreren, (DER STANDARD berichtete) nur Männer in den Unirat gewählt hat: "Damit habe ich nicht gerechnet", spricht Pellert im STANDARD-Gespräch von einem "Schlag ins Gesicht der Frauen".

Befürchtet habe sie die niedrige Frauenquote in den Uniräten sehr wohl, sei diese doch durch das Unigesetz nachgerade "präjudiziert" worden, kritisiert Pellert, die ihre Bedenken gegen den geschlechterspezifischen "Konstruktionsfehler des Unigesetzes" von Anfang im Ministerium deponiert hat. In den wahlberechtigten Gründungskonventen "haben die Professoren die Mehrheit, von den Professoren sind nur fünf Prozent weiblich. Da kann man sich ausrechnen, wie viele Frauen drin sitzen werden."

Jüngstes Beispiel: Die TU Wien erkor am Dienstag Mobilkom-Chef Boris Nemsic und den Exgeneraldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Siegfried Sellitsch, als Uniräte - und senkte die Frauenquote nach acht von 21 Uni-wahlgängen von weniger als einem Viertel auf knapp ein Fünftel: 19 der gewählten 24 Räte sind Männer.

Ada Pellert vermutet auch einen "psychologischen Grund" für die männerlastigen Wahlergebnisse. Durch das neue Unigesetz sei wohl auch der "Reflex, in unsicheren Zeiten auf Bewährtes zurückzugreifen, wirksam geworden. Zugleich sinkt in so einer Situation der Mut zu Innovationen."

Pellert, aber auch die ÖH hoffen jetzt auf Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die bis Ende Februar so viele Kandidaten wie die Unis nominieren muss. Im Gehrer-Büro weist man darauf hin, dass das spätere Fristende für die ministerielle Liste genau den Sinn habe, "ausgleichend eingreifen zu können und eine gute Mischung zwischen Frauen und Männern sowie Disziplinen" sicherzustellen. (DER STANDARD, Printausgabe 22.01.2003)