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Exotischer Neuzugang in der Donau: Bei Fischamend wurde im November 2002 im Fischernetz eine Chinesische Wollhandkrabbe gefangen.

APA/INSITUT FUER ZOOLOGIE/WALZL

Wien - Von einem "exotischen Neuzugang" in der Donau berichtet der Nationalpark Donau-Auen: Bei Fischamend hatte sich im November 2002 in einem Fischernetz eine Chinesische Wollhandkrabbe verfangen. Es ist das erste in der österreichischen Donau gefundene Exemplar der ursprünglich aus dem Fernen Osten stammenden Gattung.

Die Chinesische Wollhandkrabbe gelangte im 20. Jahrhundert im Ballastwasser von Transportschiffen nach Amerika und Europa und breitet sich seither landeinwärts in den Flusssystemen aus, wobei sie pro Tag bis zu 16 Kilometer zurücklegen kann. Die Gattung ist mit kräftigen Scheren am ersten Laufbeinpaar ausgestattet, deren kräftige Behaarung namensgebend war.

"Die Aliens kommen"

Als Neobiota bezeichnete gebietsfremde Arten wie diese "Eriocheir sinensis" sind in einer neuen Broschüre des Lebensministeriums unter dem Titel "Die Aliens kommen" dokumentiert. Auch im Nationalpark Donau-Auen tummeln sich bereits zahlreiche "Einwanderer". Neobiota können bei zahlreichem Auftreten zu massiven Problemen führen. Ausgeführt wird, dass die in der IUCN 2000-Liste der "100 world's worst invasive alien species" angeführte Krabbe bei Massenvorkommen diverse ökologische und ökonomische Schäden - wie etwa eine Destabilisierung von Uferbefestigungen durch die Wohnröhren der Tiere - verursachen kann.

In den USA und den Niederlanden wurden bei hohen Individuendichten die Kühlwassereinlässe von Kraftwerken durch die Krabben verstopft. Mit ihren kräftigen Scheren zerstören sie auf der Suche nach Nahrung Netze und Fischfangeinrichtungen. In Kalifornien werden Gebiete mit hohen Krabbenvorkommen von Anglern gemieden, da die Krabben die Köderfische von den Haken fressen. Die Wollhandkrabbe übt ferner einen enormen Raub- und Konkurrenzdruck auf diverse heimische Arten aus.

Ob das bei Fischamend entdeckte Tier die rund 1.600 Kilometer von der Rheinmündung über den Rhein-Main-Donau Kanal bis in die Donau aktiv zurückgelegt hat oder zumindest einen Teil der Strecke passiv verschleppt wurde, ist unklar. Auf Grund der weiten Entfernung zu den Küstenbereichen der Nord- und Ostsee ist die Wahrscheinlichkeit für eine Massenentwicklung in Österreich gering, heißt es in der Aussendung. (APA)