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Grafik: APA/Longauer

Hans Dichand würde mit seinem für 1. Februar geplanten Rückzug als Chefredakteur der "Kronen Zeitung" automatisch seine Position als Geschäftsführer des Blattes verwirken. Diese Rechtsansicht von Dichands Hälfte-Partner WAZ bekräftigte Daniel Charim, Rechtsvertreter der WAZ-Gruppe in der Causa, am Dienstag im Gespräch mit der APA. "Mit sofortiger Wirkung" gehe Dichand daher aber auch des so genannten Vorweggewinns verlustig, der laut Charim etwa zehn Millionen Euro im Jahr betrage. Außerdem müssten "sofort Maßnahmen ergriffen werden", um die Geschäftsführung wieder zu besetzen.

"Gesundheitlich nicht mehr in der Lage"

Die Argumentation der WAZ-Gruppe: Mit Dichand sei vertraglich vereinbart worden, dass seine Funktion als Geschäftsführer "mit sofortiger Wirkung" ende, sollte er "gesundheitlich nicht mehr in der Lage" sein, diese zu erfüllen. Dass Dichand nun den Chefredakteursposten verlassen wolle, könne nur dies bedeuten, so Charim. Denn in jenem handschriftlichen Vertrag bezüglich der Nachfolge aus dem Jahr 2001, auf den sich auch Dichand beruft, sei festgehalten worden, dass der Senior noch fünf Jahre lang als Chefredakteur fungieren soll.

"Nun sind eineinhalb Jahre vergangen, und er übergibt an seinen Sohn", so Charim: "Wenn er nun sagt, er kann nicht mehr Chefredakteur sein, dann verstehen wir das dahin, dass er gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist." Geschäftsführer könne Dichand daher nicht mehr sein, der - unabhängig vom tatsächlichen Gewinn - ausbezahlte Vorweggewinn müsse eingestellt werden, "denn den bekommt er ja dafür, dass er Chefredakteur und Geschäftsführer ist". Für die Geschäftsführung der "Krone" selbst müssten "sofort Maßnahmen ergriffen werden". Die WAZ könne dabei aber nicht von sich aus einen neuen Geschäftsführer installieren, da es dafür einen Gesellschafterbeschluss beider Eigentümer brauche.

Aus "wichtigen Gründen" dagegen

Genau den vermisst die WAZ in der Frage der Bestellung von Christoph Dichand. Die WAZ habe sich vertragsgemäß aus "wichtigen Gründen" dagegen ausgesprochen. "Wenn der Partner Nein gesagt hat, dann gibt es keinen Gesellschafterbeschluss, dass der Junior das werden soll, und dann kann Herr Dichand nicht so agieren, als ob ihm 100 Prozent der Zeitung gehören", betonte Charim. Dichands Argumentation, dass die WAZ-Gruppe im Jahr 2001 seine Nachfolgepläne "zustimmend zur Kenntnis genommen" habe, entspreche so nicht den Tatsachen. Damals sei vereinbart worden, dass Sohn Christoph stellvertretender Chefredakteur werden soll und Dichand noch fünf Jahre im Amt bleibt. Lediglich Dichands Absicht, den Sohn zu seinem Nachfolger zu bestellen, habe man zur Kenntnis genommen - aber sicher nicht "zustimmend". (APA)