Wien - Erschütternde Zustände in der Versorgung der rund 700.000 Österreicher, die an krankhaftem Knochenschwund (Osteoporose) leiden: "In Österreich gehen 25 Prozent der über 50-jährigen Frauen pro Jahr zur Knochendichteuntersuchung. Doch selbst nach einem Oberschenkelhalsbruch erhalten in der Steiermark nur sieben Prozent eine entsprechende Behandlung", erklärte am Dienstag der Grazer Experte Univ.-Prof. Dr. Kurt Weber bei der Vorstellung der Nationalen Initiative gegen Osteoporose in Wien.

Weber: "95 Prozent der Schenkelhalsbrüche sind Osteoporose-bedingt. In der Steiermark waren es 1997 exakt 1.194, im Jahr 2000 dann 1.151. Behandelt wurden die Patienten an den Unfallchirurgien. Doch im Jahr 1994 wurde dort nur bei vier Prozent der Betroffenen die Diagnose der Grunderkrankung gestellt und eine Behandlung eingeleitet. Im Jahr 2000 war das bei sieben Prozent der Patienten der Fall." Das Traurige: Selbst mit diesen Zahlen dürfte Österreich international noch im positiven Sinn eine Spitzenstellung innehaben.

Voraussetzungen für Früherkennung perfekt

Dabei wären die Voraussetzungen für die Früherkennung und die Therapie des Knochenschwundes in Österreich im Grunde perfekt. Weber: "Die Osteoporose ist ein klar definiertes Krankheitsbild. Wir haben weltweit die meisten Knochendichtemessgeräte (im Vergleich zur Bevölkerungszahl, Anm.). EU-weit werden bei uns die meisten Knochendichtemessungen durchgeführt. Wirksame Medikamente (Kalzium, Vitamin D und Bisphosphonate, Anm.) sind verfügbar und werden von den Krankenkassen erstattet. " Doch es fehle oft das Bewusstsein.

Der Experte: "Ein 'Paradies' ist Österreich nur für jene rund zehn Prozent der Osteoporosepatienten, die behandelt werden. Die anderen Länder sind noch viel schlechter. Die Politik sollte die Forderung der EU, die Osteoporose als zentrales Ziel zu betrachten, umsetzen. In Europa erleiden dreißig Prozent der Frauen und dreizehn Prozent der Männer zumindest eine Fraktur durch den Knochenschwund."

In den Griff kriegen

Schirmherrin der Initiative ist Ex-Spitzensportlerin und Nationalratsabgeordnete Ingrid Wendl. Sie erklärte: "Man muss mit vierzig anfangen zu schauen, wo man mit seiner Gesundheit steht. 60-jährige Frauen haben heute noch eine Lebenserwartung von 24 Jahren, 60-jährige Männer eine von zwanzig Jahren." Von dieser durchschnittlichen Lebenserwartung bei den 60-Jährigen müssten aber bei den Frauen sechs Jahre und bei den Männern fünf Jahre als Zeitspanne eingerechnet werden, in denen sie invalide wären. Genau diese Spanne gelte es zu reduzieren.

Das Leiden ist jedenfalls in den Griff zu bekommen. Silvia Edlinger (79), pensionierte Kindergarten-Leiterin und Mitglied der Osteoporose Selbsthilfe Klagenfurt: "Ich war 1,86 Meter groß und bin schon sehr erschrocken, als es um zwölf Zentimeter weniger waren. Ich leide an Osteoporose, die behandelt wird, und komme sehr gut damit zurecht."

Günter Baumann, Kärntner Sonderschulpädagoge (55): "Ich habe eine hochgradige Osteoporose. Man zerbröselt tatsächlich. Ich nehme Medikamente. Die Knochendichte hat sich nach einem Jahr leicht gebessert." Sein Rat an die Männer: "Burschen, geht's zur Knochendichtemessung." - Allerdings mit auch wirklich danach durchgeführter Behandlung, wenn es notwendig ist! (APA)